Gibt es einen Gott (Teil 3)?

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Nachdem wir geklärt haben, dass lediglich die agnostischen Atheisten eine logisch haltbare Position über die Existenz Gottes haben, möchten wir uns nun Argumenten widmen, die darauf hindeuten, dass ein Gott mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht existiert. Zur Erinnerung: Auch agnostische Atheisten müssen Argumente vorbringen, da sie eine Aussage über die Wahrscheinlichkeit der Existenz Gottes treffen. Diese müssen nicht zwingend sein, da sie einen Irrtum zumindest zulassen. Sie sollten jedoch vernünftig und nicht fehlerhaft sein.

Das argumentationstheoretische Argument

Wie wir in den vorangegangen Artikeln festgestellt haben, gibt es – zumindest hinsichtlich der Argumente für die Existenz Gottes, die Jehovas Zeugen vorbringen – kein einziges, das einer Prüfung standhält. Im Gegenteil: Fast jedes dieser Argumente ist sogar ein kompletter logischer Fehlschluss. Interessanterweise findet man in der Literatur der Wachtturm-Gesellschaft generell wenig Argumente für die Existenz Gottes. Es wird dort seit jeher einfach davon ausgegangen, dass er existiert. Es wäre nun jedoch ebenfalls falsch, hiervon darauf zu schließen, dass alle Argumente der Welt für die Existenz Gottes logische Fehlschlüsse seien. Uns fehlt in unserer Betrachtung die Zeit, alle diese Argumente auf den Prüfstand zu stellen. Ich persönlich kann jedoch bestätigen, dass ich eine ungeheuer große Anzahl von Argumenten aus unterschiedlichen religiösen Ecken überprüft habe und weiterhin prüfe. Das Ergebnis ist jedes Mal nicht besser als das bei den Argumenten der Zeugen. Man muss daher festhalten: Die Behauptung, dass ein Gott existiere, ist nicht wahrscheinlicher als beliebige andere unbewiesene Behauptungen.

Nun könnte jemand entgegnen, dass auch unbewiesene Behauptungen sehr wahrscheinlich sein können, z.B. wenn ich sage, dass im Hochsommer in der Nacht bei offenem Fenster eine Mücke in das hell beleuchtete Zimmer geflogen sei, ohne dass ich sie gesehen oder bemerkt hätte. Die Wahrscheinlichkeit ist in der Tat groß, obwohl es sich um eine völlig unbewiesene Behauptung handelt. Der Unterschied zur Frage der Existenz Gottes liegt jedoch darin, dass es Mücken nachweislich gibt, dass wir schon häufig die Erfahrung gemacht haben, dass sie genau dieses Verhalten zeigen und wir morgens immer mal wieder mit Mückenstichen aufgewacht sind. Bei Gott geht es aber um die Existenz eines unsichtbaren Wesens mit übernatürlichen Fähigkeiten, das im täglichen Leben keinerlei Lebenszeichen von sich gibt und niemand jemals wissenschaftlich bestätigt Erfahrungen mit ihm gemacht hat.

Die Behauptung, dass ein Gott existiere, entspricht daher hinsichtlich ihrer Wahrscheinlichkeit der Behauptung, dass ein unsichtbarer feuerspeiender Kobold Herrscher des Universums sei. Niemand würde hier davon sprechen, dass das eher wahrscheinlich als unwahrscheinlich ist. Wir halten die Gottesvorstellung nur deswegen für “normal”, weil wir einer kognitiven Verzerrung zum Opfer gefallen sind: dem sog. illusionären Wahrheitseffekt.

Wikipedia definiert ihn wie folgt:

Der illusorische Wahrheitseffekt (auch als Validitätseffekt, Wahrheitseffekt oder Wiederholungseffekt bekannt) ist die Tendenz zu glauben, dass Informationen nach wiederholter Exposition korrekt sind. Wikipedia

Wenn man von klein auf immer wieder hört, dass es Menschen gibt, die an Gott glauben, betrachtet man das als „normal“ und schlimmstenfalls glaubt man dadurch irgendwann auch selbst an ihn – und nicht, weil jemand einen durch schlagende Argumente überzeugt hätte.

Das argumentationstheoretische Argument für die wahrscheinliche Nichtexistenz Gottes lässt sich somit wie folgt zusammenfassen:

Es gibt kein fehlerfreies Argument für die Existenz Gottes. Unsere allgemeine Vertrautheit mit der Gottesvorstellung und das Gefühl, dass dies etwas “Normales” ist, beruhen lediglich auf kognitiven Verzerrungen. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Gottesvorstellung der Realität entspricht, ist daher äußerst gering (wie die oben erwähnte Kobold-Beschreibung).

Gott in der Lücke

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Anzeichen religiöser Aktivitäten lassen sich durch archäologische Funde bereits vor 120.000 Jahren im Zusammenhang mit Bestattungen Verstorbener nachweisen. Es ist naheliegend, dass sich die Menschen damals ebenfalls fragten: “Was geschieht nach dem Tod?”. Die gesamte Menschheitsgeschichte zeigt, dass der Mensch offenbar Religion und übernatürliche Erklärungen immer dann ins Spiel brachte, wenn er bestimmte Fragen – wie die eben erwähnte – nicht beantworten konnte, mit gewissen Problemen emotional überfordert war oder bestimmte Phänomene nicht erklären konnte. So waren in der Vorstellung damals lebender Menschen z.B. Sonnenfinsternisse, Erdbeben, Gewitter, Seuchen, Dürren, Krankheiten und ähnliche Dinge Ausdruck göttlichen (oder teuflischen) Wirkens. Wie wir heute jedoch wissen, handelt es sich ausnahmslos um Phänomene, die mit Gott nichts zu tun haben, sondern lediglich um Folgen der Naturgesetze. Wir haben hier also ein induktives Argument vor uns. Aus einer hohen Anzahl an Einzelfällen schließen wir auf eine allgemeine Regel:

Niemals hat man als Ursache für anfangs unerklärliche Phänomene Gott gefunden. Somit wird man diese Ursache mit hoher Wahrscheinlichkeit nie finden.

Gott konnte nur solange als Erklärung für etwas fungieren, solange dieser Punkt nicht verstanden wurde. Das allmächtige Wesen war daher immer ein “Lückenbüßer”. Der logische Fehlschluss “Gott in der Lücke” geht auf diesen Umstand zurück.

Wer vor Tausenden von Jahren sagte: “Wir wissen nicht, warum sich die Sonne gerade verfinstert hat, also muss es Gott gewesen sein!”, beging genau diesen Fehlschluss. Heutzutage wäre das vielleicht die Aussage: “Die Wissenschaft kann nicht erklären, wie Leben aus toter Materie entstanden ist. Also hat Gott es geschaffen.” Sie geht in die gleiche Richtung. Es handelt sich um einen Sonderfall des argumentum ad ignorantiam (siehe Teil 2 unserer Artikelserie). Aus Nichtwissen wird etwas geschlossen. Gott in diese Lücke einzusetzen, macht die Sache nicht besser, sondern verschiebt das Problem wieder nur: Die Unwissenheit hinsichtlich der Entstehung des Lebens wird in Richtung Unwissenheit, ob Gott wirklich existiert, verschoben. Denn genauso wenig, wie bislang die Entstehung des Lebens aus toter Materie nachgewiesen werden konnte, konnte die Existenz Gottes nachgewiesen werden. Der große Unterschied besteht jedoch darin, dass man im Gegensatz zur “Entstehung” Gottes weiß, wie sich die Lebewesen aus einfachen Organismen in komplexe verwandelt haben: durch inkrementelle Verbesserungen über extrem lange Zeiträume. Somit spricht grundsätzlich nichts dagegen, dass diese Entwicklung bei toter Materie startete und ab einem gewissen Grad der Komplexität von Leben gesprochen werden musste.

Gibt es übernatürliche Kräfte?

James Randi – Wikipedia

Eine interessante Entwicklung, die ebenfalls darauf hindeutet, dass es Übernatürliches (wozu man Gott gemeinhin rechnen müsste) mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht gibt, ist die seit 1996 bestehende James Randi Educational Foundation (JREF).

Wikipedia sagt hierzu Folgendes:

Die Ziele der Gesellschaft sind die wissenschaftliche Erforschung von Parawissenschaften und die Aufklärung der Öffentlichkeit und der Medien über die Konsequenzen, paranormale und supernormale Behauptungen zu akzeptieren. […] Bekannt wurde die JREF vor allem durch die Belohnung von einer Million US-Dollar für denjenigen, der unter wissenschaftlichen Bedingungen paranormale Fähigkeiten unter Beweis stellen kann. […] Im Jahr 1964 versprach Randi demjenigen, der paranormale Fähigkeiten unter objektiven Bedingungen belegen konnte, 1.000 $, die er aus eigener Tasche bezahlen wollte. Später erhöhte er den Betrag auf 10.000 $. Seit damals stieg das Preisgeld weiter an und stand schließlich bei einer Million Dollar. […] Seither konnte niemand paranormale Fähigkeiten unter Beweis stellen und damit das Preisgeld für sich sichern. Nach dem Rückzug James Randis ins Privatleben wurde im Januar 2015 die „Eine-Million-Dollar-Herausforderung“ eingestellt. Der Stiftungsrat beschloss, mit dem Kapital der Stiftung stattdessen Projekte finanziell zu unterstützen, die kritisches Denken und eine an Tatsachen orientierte Weltsicht fördern.

Wikipedia

Es ist sehr unwahrscheinlich, dass sich Personen mit echten übernatürlichen Fähigkeiten, die dementsprechend leicht zu demonstrieren gewesen wären, in einem Zeitraum von über 50 Jahren die Preisgelder – insbesondere die eine Million Dollar – hätten entgehen lassen. Es gab über 1.000 Anwärter und niemand konnte seine Fähigkeiten unter Laborbedingungen belegen. Und weltweit gibt es unzählige Personen, die behaupten, durch Gott besondere Gaben erhalten zu haben. Wenn sich diese Gaben schon als Einbildung herausstellen, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass es auch den Geber dieser Gaben, Gott, gar nicht gibt.

Gibt es Dämonen?

Ein weiterer “Wink mit dem Zaunpfahl”, dass es mit hoher Wahrscheinlichkeit keinen Gott gibt, wäre, wenn sich herausstellen würde, dass es keine Dämonen gibt. Jehovas Zeugen glauben, dass sich die Dämonen heutzutage im erdnahen Bereich befinden und unter “günstigen” Umständen (jemand beschäftigt sich mit Spiritismus) Menschen heimsuchen können. Diverse Erfahrungsberichte in ihren Publikationen belegen dies.

Das wohl bekannteste Ehepaar von “Geisterjägern”, das sein Leben der Untersuchung übersinnlicher Fälle verschrieben hatte, waren Ed und Lorraine Warren (inzwischen sind beide verstorben). Ihre Fälle wurden in bekannten Horrorfilmen wie der Conjuring-Reihe verfilmt. Sie betrieben in Neuengland ein Museum mit spiritistischen Artefakten und Gegenständen, die in ihren dämonischen Begegnungen eine Rolle spielten. Für jeden Zeugen Jehovas wäre es wohl die schlimmste Strafe überhaupt, eine Nacht in diesem Museum alleine verbringen zu müssen. Eine Begegnung mit Dämonen wäre in ihren Augen praktisch sicher.

Lorraine Warren – Wikipedia

Der Autor des Buches “Bedienungsanleitung für deinen Verstand, Kritisch denken in einer Welt voller Halbwissen” hatte die Gelegenheit, die Warrens zu besuchen und sich die in 40 Jahren zusammengetragenen “Beweise” für die Existenz der Dämonen zeigen zu lassen.

Er schreibt im Kapitel Die Warrens und die Geisterjagd:

Wir stießen auf ein ausgesprochen sympathisches Paar, das es wirklich ernst meinte – aber absolut keine überzeugenden Belege vorweisen konnte. Genauer gesagt, gab es jede Menge `Beweise´, doch keiner davon hielt strengen wissenschaftlichen Tests stand. Nicht einer. Die meisten nicht einmal einer oberflächlichen Überprüfung.

Unsere Ermittlungen über die Warrens haben uns sehr früh in unserer Skeptikerkarriere die Augen geöffnet. Vor allem gelangten wir zu einer Erkenntnis, die uns seither viele Male bestätigt wurde: Die Verfechter von Übersinnlichem und pseudowissenschaftlichen Thesen können letztlich nicht überzeugen. Wie sich herausstellte, gab es keinen Grund, sich von den Warrens beeindrucken zu lassen. Anstelle der in den Filmen dargestellten Respekt einflößenden Gelehrten stießen wir auf ein ahnungsloses älteres Pärchen, dem es gelungen war, von seinen Geistergeschichten gut zu leben.

Am schockierendsten ist jedoch dieser Teil des Berichts:

Ed […] erklärte, seine Untersuchungen hätten viel mit seinen religiösen Überzeugungen zu tun. Tatsächlich stellte er uns – wie auch allen anderen Skeptikern, mit denen er schon zu tun gehabt hatte – gleich eingangs die Frage, ob wir an Gott glaubten, denn wenn nicht, würden wir seine Forschungsarbeit nicht verstehen. Lorraine, die sich als `empfänglich´ oder `hellsichtig´ bezeichnet, fand unseren Mangel an Glauben ebenfalls befremdlich. Im vielleicht lustigsten Moment unserer Ermittlungen fragte sie uns (weil wir nicht an Gott glaubten): ´Was ist euch denn zugestoßen, Jungs? Etwa dieses Wissenschaftsding?´ Hm, also, ja, im Grunde schon.

Diese Aussagen verdeutlichen das größte Problem von Menschen, die an Gott glauben: Sie glauben an Gott. Und zwar nicht als Ergebnis einer schlüssigen Argumentationskette, sondern von vornherein und versuchen dann im Nachhinein, Belege für ihren Glaubenssatz zu finden. Das ist so, als würde ein Richter vor Beginn des Prozesses innerlich sein Urteil fällen, um anschließend durch geschickte Befragung der Zeugen nach Belegen für seine voreingenommene Meinung zu suchen.

Ein Hinweis für diesen Umstand findet man bei eigentlich jedem Bericht über Besessenheit oder dämonische Aktivitäten: Man kann sich fast sicher sein, dass er aus einem religiösen Land oder einer religiösen Region stammt. Ist das nicht der Fall, stammt er zumindest aus einem religiösen Haushalt bzw. einer religiösen Familie. Offenbar existieren Dämonen und Gott nur in den Köpfen indoktrinierter (oder noch nicht ganz exdoktrinierter) Personen. Das stellt man immer wieder fest.

Der Ursprung des Gottesglaubens

Beschäftigt man sich mit dem Ursprung des Gottesglaubens, kommt man zu einer verblüffenden Erkenntnis: Er resultiert u.a. ausgerechnet aus einer fehlerhaften Arbeitsweise des menschlichen Gehirns, das ironischerweise als Meisterstück der Schöpfung Gottes beschrieben wird. Da es nur begrenzte Rechenleistung besitzt, die Abbildung der Realität jedoch viel mehr Leistungsvermögen erfordern würde, haben sich “Abkürzungen” im Denken gebildet, sogenannte kognitive Verzerrungen. Eine davon ist die “Hyperactive Agency Detection”. Die englische Wikipedia definiert diese kognitive Verzerrung wie folgt:

Unter “Hyperactive Agency Detection” versteht man die Neigung von Tieren, einschließlich Menschen, in Situationen, an denen ein empfindungsfähiger oder intelligenter Agent beteiligt sein kann oder auch nicht, das zielgerichtete Eingreifen eines solchen Agenten anzunehmen. Wikipedia (Übersetzung von DeepL)

In diese kognitive Falle ist wahrscheinlich schon jeder einmal getappt, der ein dunkles kleines Blatt auf dem Küchenfußboden oder ähnliche vom Wind bewegte Objekte als Spinne oder Insekt erkannt hat. Genauso sahen unsere Vorfahren Blitz und Donner als Eingreifen eines handelnden Agenten an – in diesem Falle Gott. Man kann das sogar nachvollziehen, denn die Lebenswirklichkeit und Erfahrung zeigt einem in der Regel auf, dass die Bewegung von toten Objekten (hier der Blitz) häufig von Lebewesen ausgelöst wird.

Es gibt aber auch noch andere kognitive Verzerrungen, die einen Gottesglauben begünstigen oder sogar auslösen können.

Nehmen wir zum Beispiel ein kinderloses Paar, das sich Nachwuchs wünscht. Bisher hat es jahrelang erfolglos versucht, ein Kind zu zeugen. Dann kommt es mit Jehovas Zeugen in Kontakt, willigt in ein Heimbibelstudium ein und erfährt irgendwann, dass es einen Hörer des Gebets gebe. Aufgrund der hoffnungslosen Situation fangen die beiden an, Gott ihren Kinderwunsch vorzutragen. Die beiden wünschen sich, dass ein Gott existiert, denn so besteht in ihren Augen die Chance, dass er ihr Bitten erhört. Sagen wir, dass die Frau kurz nach den ersten Gebeten tatsächlich endlich schwanger wird. Was denkt das Paar nun?

“Wir haben vor kurzem im Zuge des Heimbibelstudiums mit dem Rauchen aufgehört, was möglicherweise die Spermienqualität verbessert hat!”?

Mit Sicherheit nicht. Aufgrund eines Post-Hoc-Ergo-Propter-Hoc-Fehlschlusses wegen des zeitlichen Zusammenfallens beider Ereignisse wird sofort geschlossen, dass Gott eingegriffen und die Gebete erhört haben muss. Ich selbst kann leider ein Lied von dieser Denkweise singen. Sie führte vor Jahrzehnten dazu, dass ich den Glauben an Gott entwickelte und erst 20 Jahre später merkte, dass ich meinen irrationalen Gedanken zum Opfer gefallen war. Wer nämlich an Gott glaubt, betrachtet die Welt nur noch durch die Brille dieses Glaubenssatzes und fällt sofort der selektiven Wahrnehmung zum Opfer. Bestimmte Ereignisse werden dann auf das Wirken Gottes zurückgeführt. Solche Personen sagen häufig, sie hätten “Erfahrungen” mit Gott gemacht und wüssten daher, dass er existiere. Dabei haben sie ihre Erfahrungen nur falsch interpretiert.

Widerlegung der Bibel

Eine weitere Möglichkeit, einem Zeugen Jehovas zumindest indirekt die Nichtexistenz Gottes deutlich zu machen, ist die Widerlegung biblischer Berichte. Der Glaube eines Zeugen Jehovas an Gott ist eng mit der faktischen Richtigkeit der Bibel verknüpft. Sollte sich also herausstellen, dass die Bibel ein gewöhnliches fehlerhaftes Buch von Menschen ist, wäre das zwar kein zwingender Beweis gegen die Existenz Gottes, jedoch ein valides Argument für einen Zeugen, da er von der Bibel als von dem Wort Gottes überzeugt ist.

Es ist leicht, zwei für Jehovas Zeugen absolut essentielle Berichte der Bibel zu widerlegen: Die Sintflut und die Schöpfungsgeschichte. Wenn beides nicht der Wahrheit entspricht, dann hat der Zeuge keine Grundlage mehr, um sein Weltbild aufrechtzuerhalten. Er müsste zugeben, dass die Bibel nicht von Gott stammen kann, was wiederum mit hoher Wahrscheinlichkeit gegen die Existenz Jehovas spricht.

Eine Widerlegung der weltweiten Sintflut findet sich in diesem Artikel.

Die Lebensfeindlichkeit der Erde

Ein ausbrechender Vulkan
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Zu einem interessanten Ergebnis kommt man, wenn man in einem Gedankenspiel davon ausgeht, dass Gott das Universum und die Erde tatsächlich speziell für den Menschen designt hat. Das glauben Jehovas Zeugen nämlich und zitieren gerne den Bibeltext aus Jesaja 45:18:

Denn dies ist, was Jehova gesprochen hat, der Schöpfer der Himmel, ER, der [wahre] Gott, der Bildner der Erde und der sie gemacht hat, ER, der ihr festen Bestand gab, der sie nicht einfach umsonst erschuf, der sie bildete, damit sie auch bewohnt werde: „Ich bin Jehova, und sonst gibt es keinen.
NWÜ 1986

Die Tatsachen widersprechen diesem Bibeltext auf eklatanteste Weise. Wer sich die Erde genau ansieht, wird feststellen, dass sie voller Gefahren für das Leben ist. Hätte ein allmächtiger Gott die Erde mit dem Gedanken der Erschaffung einer Heimat für den Menschen so gemacht, wie sie sich heute darstellt, müsste man sich wirklich fragen, wie es zu diesen Fehlern in der Lebensfreundlichkeit unserer Heimat kommen konnte. Die Erde ist nämlich bestenfalls weniger lebensfeindlich als die anderen Planeten. Das Leben auf ihr hat es nach wie vor nicht leicht. Im Laufe der Erdgeschichte gab es mehrere Massensterben – verursacht durch Meteoriteneinschläge und/oder erhöhte vulkanische Aktivitäten. Gefahren, die nach wie vor existieren und auch heute einen Großteil des Lebens auslöschen könnten. Die Melankovic-Zyklen sprechen ebenfalls gegen den Schöpfungsbericht. Hierbei handelt es sich um periodische Schwankungen der Exzentrizität der Erdbahn, des Neigungswinkels der Erdachse und der sog. Präzession, also einer Art Trudeln der Erdachse im Verlauf von Tausenden von Jahren – vergleichbar mit dem eines Kreisels. Diese Phänomene führen dazu, dass sich das Klima der Erde regelmäßig ändert und zu verheerenden Eiszeiten führen kann, die die Lebewesen stark beeinträchtigen. Außerdem darf man tödliche Wetter- und andere Naturphänomene nicht vergessen: Wirbelstürme, Sturmfluten, massiven Hagel, Gewitter, verheerende Waldbrände, Erdbeben, Dürren etc. Die von furchtbaren Krankheitserregern, giftigen Tieren und Parasiten ausgehende Gefahr für Leib und Leben darf man ebenfalls nicht vergessen. Zu allem Überfluss entfernt sich auch noch der Mond – wie Messungen gezeigt haben – kontinuierlich um knapp 4 cm pro Jahr von der Erde. Die Konstanz, die die Bibel den Himmelskörpern zuschreibt, gibt es einfach nicht.

Man müsste von einem liebevollen und allmächtigen Schöpfer erwarten können, dass er diese Gefahren bzw. Probleme nicht bewusst in seine Schöpfung “eingebaut” hätte.

Gott als Geistwesen niemals nachweisbar?

Einige Menschen sind der Meinung, dass sich Gott niemals nachweisen lassen können wird, da er außerhalb unserer physikalischen Welt innerhalb einer geistigen existiert. Hierbei handelt es sich jedoch um ein Totschlagargument, welches aus logischer Sicht nicht zulässig ist. Damit kann nämlich alles “bewiesen” werden. Ich könnte z.B. sagen: “Die Gießkanne, die die außerirdische Spezies aus Teil 1 unserer Artikelserie in der Umlaufbahn des Sirius verloren hat, ist unsicht- und unmessbar. Aber sie existiert!” In dem Moment, wo also ein Argument oder in der Wissenschaft eine Hypothese nicht überprüfbar sind, ist es (bzw. sie) nicht mehr zulässig und völlig wertlos. Wer nun sagt, dass das bei Gott aber so sei und er sich nun mal allen Beweisversuchen entzöge, kann wiederum nicht behaupten, seine Existenz sei wahrscheinlich. Denn wenn jegliche Begründung für sein Dasein nicht überprüft werden kann, ist die Behauptung automatisch erneut nicht wahrscheinlicher als beliebige Behauptungen über andere Dinge. Außerdem sind wir bereits in den vorhergehenden Teilen dieser Artikelserie Aussagen begegnet, die etwas über die Eigenschaften Gottes behaupteten, ohne dass Gott selbst zuvor nachgewiesen wurde (“Gott war schon immer da, daher musste er selbst nicht erschaffen werden”). Wir hatten dies bereits als Zirkelschluss entlarvt.

Abschließende Gedanken

Im Verlauf dieser Artikelserie haben wir festgestellt, dass lediglich die agnostischen Atheisten eine Meinung haben, die logisch haltbar ist und am besten mit vernünftigen Erwägungen zur Existenz Gottes harmoniert.

Da die Beweislast beim Gottgläubigen – in unserem Falle bei Jehovas Zeugen – liegt, haben wir einige ihrer Argumente für die Existenz des Schöpfers analysiert und festgestellt, dass sie logische Fehlschlüsse oder unbewiesene Behauptungen sind. Mit den Argumenten anderer Konfessionen verhält es sich nicht anders.

Man kann daher davon ausgehen, dass ein Gott mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht existiert – auch wenn man dies in letzter Konsequenz nicht beweisen kann.

Wir sind außerdem zu der Erkenntnis gekommen, dass das größte Problem des Glaubens an Gott der Glaube an Gott selbst ist. Fast alle Argumente für die Existenz Gottes gehen nämlich davon aus, dass er existiert. Dadurch verstrickt sich der Argumentierende regelmäßig in Zirkelschlüsse und verletzt nebenbei das Sparsamkeitsprinzip (Ockhams Rasiermesser). Durch die Annahme, es existiere ein Gott, wird nämlich eine extrem komplexe Variable eingeführt, die man nicht braucht, um die Welt zu erklären.

Wenn es jedoch keinerlei Logik im Zusammenhang mit Gottes Existenz gibt, muss man sich fragen, warum der Glaube an ihn trotzdem so weit verbreitet ist und so früh entstand. Die Antwort darauf ist gleichzeitig auch die Antwort auf die Frage, warum es irrationale Vorstellungen im Allgemeinen gibt: sie resultieren aus Emotionen, die im Zusammenhang mit kognitiven Verzerrungen Glaubenssätze hervorbringen, die nicht der Wirklichkeit entsprechen. Die Frage nach der Existenz Gottes ist eine Frage zur Beschaffenheit der Realität, bei deren Beantwortung Gefühle natürlich nichts zu suchen haben.

Wer an Gott glaubt, sollte daher alle Emotionen diesbezüglich unterdrücken und überprüfen, was dann noch als logischer Grund für seinen Glauben übrigbleibt: mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nichts.

Wenn es jedoch keinen Gott gibt, dann fällt das gesamte Weltbild eines Zeugen Jehovas in sich zusammen und nahezu nichts davon ist mehr haltbar.

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