Ein Reisebericht zum „Ich“

© Die Truman Show (1998)

Viele fragen sich, wie man in einer so streng reglementierten Glaubensgemeinschaft bleiben kann und nicht sofort geht sobald man nicht mehr die Ansichten vollumfänglich teilt. Andere sehen in ihnen nur etwas verrückte Menschen die niemanden schaden und wundern sich über den sehr negativen Ton von Aussteigern. Viele kennen schließlich die vielen netten Menschen die an den Türen klingeln oder mit einem Lächeln durch das Büro streifen. Auch ich bin einer davon. Morgen klopfe ich vielleicht an Ihre Tür – bitte seien Sie nett, ich glaube es ja selbst nicht mehr was ich Ihnen erzähle. Heute trinken wir vielleicht zusammen einen Kaffee. Wer weiß? Wenn ich mich gut verstelle sehen Sie nicht den Menschen hinter der Fassade. Zumindest so lange, bis ich offen sagen kann: „Ich bin raus!“ Aber das ist im ersten Moment so interessant wie der berühmte Sack Reis, der soeben irgendwo auf der Welt umkippt. Wen interessiert es schon, ob jemand katholisch oder evangelisch ist? Warum sollte mich dann interessieren, warum mein Gegenüber ein Zeuge Jehovas ist oder nicht?

Wie kam ich dazu? Ich bin in der „Wahrheit“ aufgewachsen. Alles was durch die leitende Körperschaft – das Führungsgremium der Zeugen – verbreitet wird, ist „die Wahrheit“, unabhängig wie oft diese sich verändert oder von heute auf morgen in das Gegenteil verkehrt. Die Lehre und die Regeln, welche ich als Kind kannte, die Glaubensgemeinschaft in der ich groß wurde, ist nicht mehr die selbe wie damals, auch die Lehren sind verändert. Würde ich Lehren aus den 1980er Jahren – irgendwo da wurde ich geboren – heute verbreiten, könnte dies zum Ausschluss führen, da die Lehren geändert wurden. Es gab „neues Licht“, also der Freifahrtschein, die Lehren beliebig zu ändern, was geschieht, sobald eine Vorhersage mal wieder falsch war.

Ich mache meinen Eltern keinen Vorwurf, sie dachten es wäre das Richtige, eben „die Wahrheit“. Sie wollten für mich etwas Gutes, ein ewiges Leben – eine Illusion an die sie selbst glaubten. Ich folgte diesem Weg, war ein vorbildliches Kind, ließ mich zeitig taufen. Üblicherweise lassen sich viele Kinder von Zeugen zeitig taufen, früher meist mit 14, heute wächst der Druck immer mehr, viele junge Menschen „treffen“ diese Entscheidung schon mit 12 Jahren und eher. Die Taufe schließt den Treueschwur gegenüber der Organisation ein, etwas, was ein Kind mit 14 Jahren noch nicht erfasst. Es hat gelernt, dass die Taufe etwas Gutes ist, man hat ja „die Wahrheit“ und wird Harmagedon deswegen überleben, im Gegensatz zu den 8 Milliarden Menschen die in Harmagedon umkommen werden. So die Lehre der Zeugen Jehovas.

Fast forward: So bin ich groß geworden. Ich war fleißig predigen, habe als Hilfspionier „gedient“. Immer wenn der Kontrollbesuch des Kreisaufsehers erfolgte und um den einzigen Feiertag der Zeugen Jehovas herum, dem Abendmahl, erlaubt die Führung diesen Dienst mit einem vereinfachten Stundenziel durchzuführen – man muss in diesen Monaten als Hilfspionier nur 30 Stunden statt 50 Stunden predigen. Normale Verkündiger leisten meist um die 8 – 12 Stunden monatlich. Dieser Zeiteinsatz wird berichtet und ist so etwas wie der auf Papier festgehaltene Wert des Menschen. Geht man zu wenig, gilt man als geistig schwach. Geht man mehr, ist man ein Beispiel des Glaubens und steigt in der Hierarchie schneller oder überhaupt auf. Zu diesem Dienst kommen dann noch zwei Zusammenkünfte in der Woche dazu, Vorbereitungen auf Aufgaben – Vorträge, gespielte Situationen im Predigtdienst als Training, Vorbereitung auf Frage-und-Antwort-Betrachtungen der eigenen Literatur usw. Je höher man im „Rang“ steigt, für Brüder wäre dies der Dienstamtgehilfe und als nächste Stufe der Älteste, je mehr Zeit muss aufgebracht werden. Deine Zeit gehört Gott – also der Organisation.

Mitten in dieser Tretmühle versucht man ein irgendwie normales aber trotz allem Zeugen-konformes Leben zu führen. So war dies auch bei mir. Ich durfte nicht auf das Gymnasium und auch nicht studieren – schließlich war weltliche Bildung ja nichts wert. Trotz allem erlernte ich einen soliden Beruf und kann ein gutes Leben führen. Vielen bleibt dies verwehrt. Umso länger man dieses Leben führt, umso apathischer nahm ich an den Versammlungen teil. Die Antworten konnte man blind geben, vorbereiten und Aufgaben wie Vorträge vorzubereiten, ging sehr schnell. Man lebte in seiner eigenen Welt, alle Nicht-Zeugen waren eine Gefahr für den Glauben. Man feierte keinen Geburtstag und kein Weihnachten. Man feierte eigentlich nichts, gegen alles sprach irgendeine Regel. Man exkludierte sich bei allem, was Teil einer normalen, sozialen Interaktion ist. Selbst mit dem Sektglas anstoßen war verboten. Man bekam trotzdem Geschenke, zum Beispiel zum Taufjubiläum. Mitten in dieser Apathie geschah das Unfassbare: Eine gute Freundin verließ die Gemeinschaft. Wie konnte sie nur? Einfach ihre Chance auf ewiges Leben für ein Leben mit den „bösen Weltmenschen“ wegwerfen? Natürlich brach ich sofort den Kontakt zu ihr ab. Zumal sie ging ohne irgendwie noch einmal „Lebewohl“ zu sagen. Mitten in meinem Erwachen. Hin- und hergerissen zwischen den Gefühlen, zwischen der Lehre, den Emotionen und der Verletzung, die die Art des unpersönlichen Gehens hinterließ. Und dann lief die Maschinerie weiter. Versammlung, Dienst, Versammlung, Dienst …

Doch irgendwo lebten in mir Zweifel. Schon seit geraumer Zeit sah ich Fehler, Irrtümer, Lügen, wechselnde und unlogische Lehren. Sah selbstgerechte Älteste welche ihre Kinder protegierten, egal was sie anstellten. Ich konnte einfach nicht mehr all die Zeitschriften, Bücher usw. lesen, was darin stand, es war oft unlogisch und langweilig. Doch der Trott ging weiter, ich hatte ja „die Wahrheit“. Ich hatte kaum Zeit nachzudenken, in Ruhe kritisch nachzuforschen, die Lehre zu hinterfragen. Mitten in diesem Prozess gab es im privaten Bereich einen „Knall“ der mich veranlasste noch tiefer zu gehen, zu recherchieren. Ich nutzte das „böse“ Medium Internet, in denen Abtrünnige – „Küchenhelfer Satans“ – ihr Unwesen trieben. Ich las auf kritischen Webseiten und es war ein ungutes Gefühl. Bruderinfo-aktuell.org, ich stieß auf diese Seite und es kostete Überwindung, aber es war stimmig. Oder doch nur Lügen von Ausgeschlossenen? Zweifel ist Unglauben – ich glaube doch aber, wie ist das möglich? Ich forschte weiter. Dann riskierte ich es, ich suchte mir einen Alias-Namen und schrieb einen belanglosen Kommentar. Meine Welt war erschüttert, ich fühlte mich schlecht. Die Führung verbietet schon das Lesen, was bedeutet dann erst die Teilhabe?

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Da meine Eltern mich zwar als sehr treues Zeugen-Kind erzogen, aber nie kritisches Denken vollständig unterbanden, sondern eher förderten, wurde aus dem kleinen Ball des Zweifels schnell eine riesige Kugel. Ich las die verbotenen Bücher von Raymond Franz und Carl Olof Jonsson. Meine heile Welt zerbrach. Ich fand mehr und mehr Foren in denen ich las, dass ich nicht falsch lag. Dass ich ein Recht hatte, zu prüfen was man mir erzählt. Ich sah, dass 607 v.u.Z. – ein zentrales Datum der Zeugen – falsch war. Ich erfuhr, dass dieser Fehler der Leitung bekannt war und seit den 1980er Jahren die Vertuschung erfolgte. Die leitende Körperschaft hatte ohne dieses Datum keinen Machtanspruch, eine Erkenntnis die mich erschütterte. Die ich erst nicht glaubte. Diese Männer belügen mich doch nicht, sie sind doch Gottes Verbindungskanal. Doch die Spirale drehte. Meine Jugend habe ich auf deren Altar geopfert. Sicher auch viel Gutes erlebt, aber immer an einer unsichtbaren Leine. Meine Vergangenheit lässt sich nicht ändern und wer weiß wo ich heute stehen würde?

Ich verstand für mich, dass ich mental entgiften muss, auch wenn nachher ein potemkinsches Dorf das Einzige wäre, was meine Fassade danach beschreibt. Meine geistige Katharsis musste erfolgen. War ich bereit für den Ausschluss? Nein. Wollte ich mich weiter belügen lassen? Konnte ich irgendetwas meiner beschränkten Fähigkeiten einbringen und mir selber dadurch helfen? Dank eines Kontaktes der sich in einem Forum ergab kam ich in Kontakt mit Aktivisten. Ich redete mit Abtrünnigen, Aussteigern, „Küchenhelfern Satans“, Menschen vor denen ich mich eigentlich „ekeln“ sollte. Dies alles nahm mehr und mehr Fahrt auf. Ich merkte, es sind Menschen die es gut meinen, die kein schlechtes Leben führten, nur weil sie „die Wahrheit“ verließen. Die anderen helfen wollten. Ich sah Wege, mich an diesem Punkt – wenn auch nur unbedeutend – einzubringen.

Ich analysierte meine kleine Welt. Eine „Lebensinventur“ sozusagen. Das Ergebnis war erschreckend: Wenn ich aussteige, wird mich keiner meiner „Freunde“ mehr grüßen, die Zeugen Jehovas fordern dies. Von heute auf morgen verliere ich einen Teil meiner Familie. Egal was ist, sie dürfen nicht mit mir reden. Ich war als Zeuge aufgewachsen, hielt mich an die Regeln – was einschließt, keine Freundschaften außerhalb der Glaubensgemeinschaft zu pflegen – ich sah, ich hatte kaum Freunde. Ich kann fast mein komplettes Telefonbuch löschen.

Nachdem man dies nun bilanziert, plant und denkt man über den Ausstieg nach. Das Problem, ist die Endgültigkeit. Wer gegen die Regeln verstößt, z.B. raucht und dies nicht aufgibt oder bei dem Rechtskomitee was daraufhin gebildet wird nicht als reumütig überzeugt, der wird ausgeschlossen. Gibt er das Rauchen auf, geht ca. ein Jahr in die Versammlung – das Gruß- und Kontaktverbot besteht in dieser Zeit, er wird also ignoriert – der kann um Wiederaufnahme ersuchen und je nachdem wie die Ältesten dies einschätzen, darf er wieder Teil des Ganzen sein. Er betritt den Saal und wird ignoriert und sobald die Bekanntmachung erfolgt, dass er wieder ein Mitglied ist, wird er freundlich umschwärmt.
Doch wer geht, weil er die Lügen nicht mehr tragen kann, der geht für immer, es gibt keinen Weg zurück. Wie soll man bereuen, dass man betrogen wurde?

Auch wenn man biblisch belegen kann, dass es Lügen sind, würde das Rechtskomitee den Ausschluss vornehmen. Eine falsche Aussage oder die Äußerung einer Meinung gegen die Leitungsebene unter Zeugen und man kann vor diesem Tribunal landen. Man lebt als Ausstiegswilliger immer mit der Angst vor dem Moment, das eine Ladung zu einer Rechtskomiteesitzung den Briefkasten füllt, oder dass man als Vorstufe nach der Versammlung von zwei Ältesten angesprochen wird. Selbst bei der Ladung weiß man höchstens, dass man wegen „Abtrünnigkeit“ geladen wird. Ist mein Alias enttarnt? Habe ich etwas Falsches gesagt? Was wird wohl der Punkt sein, um den es geht? Hat man mich gesehen, wie ich mit Aussteigern geredet habe? Keine Fakten, keine Details, diese gibt es erst bei der Sitzung. Man sitzt dabei ohne Zeugen, Tonaufzeichnung oder Notizen im Saal drei Ältesten gegenüber – nicht in der eigenen Wohnung, dort könnte man Unterlagen bereitlegen. Die drei Ältesten entscheiden in der Geheimsitzung, über den weiteren Werdegang. Nach dem Verhör muss man draußen warten, es wird beratschlagt, und wenn man hereingerufen wird, dann ist man vielleicht kein Zeuge mehr und alle meiden einen, man muss mit verschiedenen Sanktionen rechnen (man darf keine Antworten geben, wird öffentlich zurechtgewiesen, …) welche den eigenen Ruf vollständig zerstören. Oder man wird als unschuldig befunden, was eher unwahrscheinlich ist.

Mit dieser Last auf den Schultern plant man nun wie es weitergeht. Ehemalige Freundschaften außerhalb der Gemeinschaft intensivieren, vorsichtig versuchen, Aufklärungsarbeit zu leisten und immer die Fassade wahren. Dienst, Versammlung, Mitarbeit – selbst das Aufgeben der Stellung in der Versammlung kann zu einem Meiden führen – also alles tun, um die Fassade zu halten. Nebenbei für das Leben Teil 2 planen. In dieser Phase bin ich nun, innerlich fühle ich mich sehr frei und trotzdem zerrissen. Der Druck auf den Schultern lastet schwer. So ist es ein vorsichtiges Taktieren und suchen nach einem Ausweg. Vielleicht gratuliere ich der erwähnten Aussteigerin zum Geburtstag – etwas, was ich wochenlang überlege, um nicht aufzufliegen, aber was auch ein Zeichen ist. Geburtstag, Weihnachten, Ostern … – Feste die ich nie feiern durfte. Wie laufen diese ab? Werde ich sie feiern? An diesen Punkten merkt man eine unbekannte Hilflosigkeit.

Wenn es das nächste Mal bei euch klingelt, könnte ich dies sein. Vielleicht auch nicht, wer weiß? Vielleicht bin ich dann schon raus. Dann habe ich dies mit dem sozialen Tod bezahlt, dem Erlöschen der Vergangenheit eines halben Lebens. Wer weiß das schon. Vielleicht unterhaltet ihr euch demnächst mit eurer Kollegin über ihren Glauben, werft ihr nicht vor, dass sie in einer Sekte ist. Werft ihr keine Fakten an den Kopf, sie ist so trainiert, diese abzublocken. Sie hat es (noch) nicht erkannt. Sie weiß es vielleicht, traut euch aber noch nicht. Sie hat vielleicht Angst, ihre Kinder oder Eltern zu verlieren, da sie nicht mehr mit ihr reden werden. Sie sucht vielleicht nach Hilfe. Haltet ihr einfach die Hand hin, vielleicht sucht sie danach.


Diesen Text schrieb ich vor nicht einmal einem Jahr. Mittlerweile hatte ich eine gute Gelegenheit, den Versammlungsbesuch einzustellen. Ergebnis: es interessiert eigentlich niemand. Zwei Älteste wollten mich wieder „auf Linie bringen“, nachdem ich mir dies verbat, verlor ich meine Dienstvorrechte und Saalschlüssel. Mit dem Tag, an dem ich nicht mehr in der Versammlung erschien, hatte ich keinen Kontakt zu meinen „Freunden“ in der Versammlung. Jemand, der eine Ehe gestiftet hat und sehr viel für die Jugend in der Versammlung getan hatte. All diese Personen habe ich unwissentlich das letzte Mal umarmt und verabschiedet. Mit einigen habe ich bewusst einen letzten Urlaub durchleben dürfen. Ein „auf Wiedersehen“ ausgesprochen, was es nicht geben wird. Die wenigen Freunde die ich habe, sind außerhalb der Versammlung – „weltlich“ – oder selbst nur Randerscheinungen. Persönlich habe ich den Glauben an einen Gott aufgegeben. Ich darf weiterhin in diversen Foren zur Aufklärung beitragen. Ja, vor einiger Zeit an der Tür und heute jemand der dagegen arbeitet. Nicht dagegen, für Gott zu werben – dies mag jeder so halten wie er will – nein, gegen eine Werbung für eine destruktive Glaubensgemeinschaft.

Ich warte nun auf den Schlussakt: Die Vorladung zu einem Rechtskomitee. Wofür? Vielleicht erkennt jemand mein Alias, vielleicht habe ich auf Facebook einen kritischen Kommentar geliked, vielleicht teilt jemand das Bild wie ich mit einem Freund Zigarre rauche, vielleicht, vielleicht, vielleicht… – sie haben keine Macht mehr über mich. Ich versuche in meinem Leben anzukommen und werde mir diesen (perversen) Abschied gönnen und mich drei Männern gegenübersetzen, da ich weiß, dass sie keine Macht mehr über mich haben. Aktuell hält mich nichts in meinem Zeugen-Leben, niemanden könnte die Wartezeit bis zum Ausstieg Schmerz bereiten. Aufrechten Hauptes den Saal betreten, den drei Männern gegenübersitzen, die denken, dass sie irgendein Recht hätten, mich wie im Mittelalter zu verhören und aufrechten Hauptes gehen. So hoffe ich es, so ist mein Plan.

Reaktionen zu diesem Beitrag

  1. Eva-Maria Hildebrand sagt:

    Ja, Oliver, unsere Jugend haben wir auf dem Altar der Zeugen geopfert! Ein guter Ausspruch. Immer ausgegrenzt in der Schule bei allen Feierlichkeiten.
    Als Zeugin habe ich dann einen „Weltmenschen“ geheiratet. Dafür wurde ich von der Zeugenbande, so muss ich sie nennen, bestraft, indem dem mir das „Vorrecht“ im Orchsester mitzuspielen, für 3 Jahre weggenommen wurde. Erst auf Anfrage gab man mir das Mitspielen wieder. Mit der Begründung :“Evchen, du hast Fortschritte gemacht, denn du gibst jetzt Antworten in den Zusammenkünften.“Bei den Zeugen muss man sich alles verdienen.
    Aber Jehova verleiht doch angeblich ‚UNVERDIENTE GÜTE!‘
    Für mich ist das nicht die WAHRHEIT, (Zeugenjargon), sondern die FALSCHHEIT!

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  2. Barbara Kohout sagt:

    Mich berührt dieser sehr reflektiert geschriebene „Weg“ tief. Wenn ich die einzelnen Stationen überdenke, fühle ich die ungeheure Leistung, diesem System zu entkommen. Der Mut, die Bereitschaft, den Verlust hinzunehmen, die Anstrengung ganz neue soziale Bindungen zu suchen. Es steckt so viel Arbeit und Mühe dahinter, den Müll der antrainierten Glaubenssätze zu entsorgen. Ich gönne jedem, der auch noch die Kraft hat, den drei „Scharfrichtern“ gegenüber zu treten, die Genugtuung eines siegreichen Finales.

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    1. Walter sagt:

      Zitat“‚Wenn ich die einzelnen Stationen überdenke, fühle ich die ungeheure Leistung, diesem System zu entkommen. Der Mut, die Bereitschaft, den Verlust hinzunehmen, die Anstrengung ganz neue soziale Bindungen zu suchen. Es steckt so viel Arbeit und Mühe dahinter, den Müll der antrainierten Glaubenssätze zu entsorgen. Ich gönne jedem, der auch noch die Kraft hat, den drei „Scharfrichtern“ gegenüber zu treten, die Genugtuung eines siegreichen Finales.“

      Ja, das ist nicht ohne und es schlaucht umso mehr, je mehr Herzblut man hineingesteckt hat und wirklich zutiefst von der Richtigkeit überzeugt war. Und dann kommt aus heiterm Himmel der Ausschluss weil man sich offen über deren Fehler ausgelassen hat. Fehler, die ganz offensichtlich unbiblisch sind bzw. Von der Bibel her ohnr Zweifel mehrdeutig sind und sein dürfen.

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  3. Chrissy sagt:

    Ich wünsche dir sehr viel Kraft für deine weiteren Schritte.
    In deinem Text konnte ich mich so gut wiederfinden.
    Wie so viele andere auch bin ich in diese Religion hineingeboren, habe mich mit den durchschnittlichen 14 Jahren taufen lassen und vertrat die Organisation leidenschaftlich und aus vollsten Herzen.

    Doch je älter ich wurde, desto mehr begann ich alles zu hinterfragen. Leider gab es zu der Zeit noch nicht das Internet (bzw. es war noch nicht allgemein gebräuchlich). Bei jedem Besuch der Versammlung oder eines Kongresses kam ich mir wie das schwarze Schaf zwischen all den weißen Schafen vor. Ich ging dorthin nur noch, um meinen Eltern zu gefallen.

    Irgendwann kam der Augenblick, wo ich es satt hatte, das schwarze Schaf zu sein und bin in eine andere Stadt zu einer weltlichen Freundin gezogen, mit der ich mich während meiner Ausbildung stark angefreundet hatte. Ich besuchte ein letztes Mal meine Freunde und nahm innerlich Abschied von ihnen. Das machte es mental einfacher für mich. Das Alte hinter sich lassen und ein Neustart vor sich.

    Es hat einige Jahre gedauert, um in den Nachrichten keine Vorzeichen von Harmagedon mehr zu sehen, mich nicht mehr als schlechter Mensch zu fühlen, weil ich die „Wahrheit“ verlassen hatte. Es ist, als ob man einen bösen Alptraum hatte, der sich real angefühlt hatte. Man braucht nach dem Erwachen immer Zeit, bis man realisiert hat, dass es nur ein böser Traum war.

    Du bist kein böser Mensch!
    Und sofern es wirklich einen Gott gibt (wer weiß das schon genau?), wird er dich lieben!

    Fühle dich von mir gedrückt. 🙂

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  4. Marcel sagt:

    Gefällt mir sehr gut. Gönn dir den perversen Abschied? kannst du auch mit ner App aufnehmen, so habe ich es gemacht als Ich wegen Wählen gegangen wurde.
    Ich wünsche dir alles gute weiterhin. Live your new life

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  5. LuRa sagt:

    Sehr realer Artikel. Mit den 8 Milliarden Menschen die Gott killt (wenn man „Mein Buch mit biblischen Geschichten“ ansieht, ist der Ausdruck nicht übertrieben) ist eins klar: Die Brüder und Schwestern sind des Wahnsinns fette Beute und auch ich war so ein „Beuteltier“.
    Mit dem Ausschlussverfahren kann man natürlich verschieden umgehen. Das muss jeder selbst entscheiden. Wir haben uns auf dem Standesamt (26 €) austragen lassen, um so den sinnlosen/fruchtlosen Diskussionen aus dem Weg zu gehen. Somit haben wir die Endscheidung getroffen, weil wir es aus Überzeugung wollten und es nicht mehr mit unseren Gewissen vereinbaren konnten. Die Macht, diese Entscheidung zu treffen, haben wir nicht dem Tribunal überlassen.
    Wir wünschen dir auf dem neuen Weg viel Erfolg, Glück und Frieden mit dir selbst.

    Gruß
    LuRa

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    1. Werner02 sagt:

      Es ist schon gruselig. Meine Kindheit und bis zum jungen Erwachsenen war geprägt von JZ. Einzig mein Vollbart verhinderte meine ‚theokratische Karriere‘. Ich wurde dann in Abwesenheit ausgeschlossen, weil das Rechtskommitee nicht bereit war, mir die Anklage schriftlich zu nennen, ohne die ich nicht bereit war das Tribunal zu besuchen. Der Grund war nicht moralischer Art, sondern ich hatte gewagt, einige Lehrpunkte, ‚die nur Jehovas Zeugen lehren‘ anzuzweifeln. Es gibt einige Texte im NT, in denen gar nicht klar ist, daß ‚Herr‘ mit ‚Jehova‘ übersetzt werden darf. Die Große Volksmenge und die 144.000 scheinen bei genauem Hinsehen identisch zu sein und die Erklärungen, die ‚depperten‘ Zeugen hätten etwas in die Weltuntergangsprophezeiungen hineingelesen, was nie gesagt wurde, habe ich mir sogar noch aus einem uralten Wachtturm bei meinem einzigen Besuch in Selters kopieren können, weil ja immer gesagt wird, alles, was Gegner sagen, sei gelogen und gefälscht um die Organisation zu diskreditieren. Ich hielt den Beweis in den Händen, daß das übelste Verleumdung von Menschen war, die die Wahrheit sagen – und das von Menschen, die behaupten, die ‚Wahrheit‘ zu sagen. Nach 26 Jahren machte ich einen Versuch, wieder aufgenommen zu werden. Meinen Wunsch führte ich in einer eMail ausführlich aus. Wegen Corona kam es nur zu einem Telefonat, das ich aufgezeichnet habe. Es kam nicht einmal die Frage, wie ich denn nun zu Jehova, Jesus Christus und dem heiligen Geist stünde. Viel wichtiger war ihnen die Feststellung, daß meine Mail erkennen ließe, daß ich noch immer viel zu kritisch der ORGANISATION gegenüber stünde. Die Organisation, der treue und verständige Sklave, der seinen Hausgenossen die leckersten Möhren vor’s Maul bindet, sie diese aber nie erreichen lässt und nebebei gierig jeden goldenen Dukaten aufsammelt den die Esel hinten rauslassen. Man war nicht einmal in der Lage, mir die Frage zu beantworten, welche Gründe vor 26 Jahren zum Urteil „Abtrünnigkeit“ geführt hatten.
      Wenn ich mir heute ansehe, wie „Spenden für das Königreichswerk“ für sinnlose Prozesse um Urheberrechte, um Strafen für Missachtung von Gerichten und für Fonds für Misshandlungsopfer ausgegeben werden, daß die Wachtturm-Gesellschaft 1 Jahrzehnt unter fadenscheinigen Gründen Anhänger als NGO für das DPI der UNO gewesen ist und just als diese peinliche Tatsache ans Licht kam, gleichen Tags diese Anhängerschaft kündigte, aber weiter Geld dafür ausgibt, auf politischen Veranstaltungen der UN Reden zum Thema ‚Die Kosten des geistlichen Widerstands: Jehovas Zeugen während der Nazizeit‘ in Vilnius zu sprechen, kann ich ‚das Königreichswerk‘ nicht mehr recht verstehen.
      Älteste in Amt und Würden – nun ja, das ist nur eine Floskel, mit Würde hat das nichts zu tun – zu lassen, nur weil ein missbrauchtes Kind, bzw. Jugendlicher keine zwei Zeugen aufbringen kann, hat sicher Parallelen in einigen anderen Kirchen.
      Das Schlimme daran sind die verkehrten Glaubenssätze, die den Menschen von Jehovas Zeugen so tief eingeimpft werden, dass sie ein Mensch fast nicht mehr los wird. Das arrogante und perfide Verhalten der Wachtturmgesellschaft und ihrer ‚Beamten‘, von den Oberaufsehern bis zu den Ältesten, die Weigerung ganz offensichtliche Fehler einzugestehen und sich zu entschuldigen, Menschen zu rehabilitieren und dem Vorbild Jesu zu folgen, macht diese menschenverachtende Organisation einerseits so anziehend, andererseits so gefährlich für Menschen, die so unvoreingenommen Bereitschaft zeigen, sich der Doktrin der Wachtturmgesellschaft zu unterwerfen und die geschickten Argumente der KOSTENLOSEN Bibelkurse ohne sie zu hinterfragen zu übernehmen.
      Hinterfragen? Wie denn auch! Wenn da freundliche Menschen vor einem stehen, die etwas in ihrer Freizeit kostelos anbieten, keinen offensichtlichen Zwang ausüben und – das muss ich zur Ehrenrettung des einzelnen Verkündigers sagen – sich durchweg als vertrauenswürdige Menschen erweisen, die nach hohen ethischen Maßstäben leben.
      Trotzdem sage ich heute: Macht einen großen Bogen um sie. Lasst ihnen keine Gelegenheit, Euch deren Ansichten näher zu vermitteln. Ein Leben mit ethisch hohen Maßstäben ist sicher in jedem Fall erstrebenswert. Wenn es aber darauf hinausläuft, daß Menschen ohne Furcht haben zu müssen, exkommuniziert zu werden, ihr freies Denken aufgeben müssen, und einen Gott gelehrt bekommen, der der grausamste Rächer des Universums ist und nur diejenigen verschont und denen ein ‚lieber Gott‘ ist, die nicht einmal nur an ihn glauben, sondern zudem auch noch vorbehaltlos eine irdische Organisation kritikfrei anerkennen müssen, dann sollte das Maß dessen, was der Gott der Bibel zu sein scheint, maßlos überschritten sein – von der Liebe, die Jesus uns vorlebte, ganz zu schweigen.

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  6. Werner sagt:

    Zuerst mal : Hut ab vor Eurer Leistung! !
    Nicht nur vor dem Tragen des „Jochs“ der Wachturm- Gesellschaft, sondern auch des Sprunges aus dieser Gesellschaft heraus !
    Denkt bitte daran : Unser Heil und Erlösung liegt eben NICHT in der Zugehörigkeit (Mitgliedschaft) einer Kirche, Freikirche oder Wachturm Gesellschaft, sondern allein in einer Person – nämlich in JESUS CHRISTUS ! …wen der Sohn frei macht, der ist recht frei !
    Schaut Euch die “ Ich bin … Worte “ Jesu im Joh. Evangelium an. Das ist Klartext .

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  7. Nosaj Otupas sagt:

    Ich bin momentan hin und hergerissen… wie viele andere bin auch in in der „Wahrheit'“ hineingeboren worden… habe mich mit 14 taufen lassen und war überzeugt.
    Gewisse Sachen habe ich nie verstanden, Dann sagte man mir ich solle einfach aus glauben das so tun…

    Ich lernte ein Mädchen kennen und wir verliebten uns, auch sie bei den Zeugen. Junge Paare haben es verdammt schwer…
    Wir sind nun über 2 Jahre verheiratet, und Leben wie wir es wollen. Wir feiern Geburtstag, sowie andere Sachen. Aber gehen auch in die Versammlung einfach weil wir doch meinen das ist das richtige…

    Sie mehr als ich. Ich hinterfrage nur noch, sehe die logiklücken…
    Ich ging lange nicht mehr in die Versammlung, interessierte nicht wirklich jemanden…

    Jemand sah mich beim Rauchen, somit wurde ich gleich angerufen und zum Gespräch gerufen. Ich stimmte dem zu, dachte mir was soll’s, ich erzähle einfach war ein Ausrutscher und fertig.

    Da war ich nun, ich und 2 älteste,einer davon den ich persönlich überhaupt nicht ausstehen Kann. „Wir sind hier nicht in einer gerichtsverhandlung“ meinten sie… und gleichzeitig setzen Sie mich unter Druck.
    „Rück schon raus, wir haben einiges über dich gehört“

    Dann kam raus dass ich mit einer anderen Frau im Auto rumgemacht habe
    Davon wusste ich nur noch gar nichts…
    Man muss sich rechtfertigen für Aussagen von anderen ohne überhaupt zu wissen wer sowas erzählt, weil ich sagte dass ich bin und wieder mehr Alkohol trinke zum feiern wurde ich quasi verteufelt. Da muss ein rechtskomitee her meinen sie.

    So gerne würde ich Ihnen meine ehrliche Meinung sagen und selbst aussteigen, jedoch kann ich meine Frau bis jetzt nicht überzeugen was für ein Zirkus das alles eigentlich ist…

    Antworten
    1. Oliver Wolschke sagt:

      Hi Nosaj,

      keine leichte Position, in der du dich gerade befindest. Deine Frau hatte wahrscheinlich bisher keine negativen Kulterfahrungen erlebt, im Gegensatz zu dir. Das klingt alles sehr verrückt was du beschreibst, aber mir natürlich bekannt. Ich hatte das auch mal erlebt, dass ein Ältester vom Hörensagen etwas erfahren hat und ich dann dazu Stellung nehmen musste. Aber das haben wir dann schnell im Foyer erledigt. Das war damals völlig verständlich, dass die Ältesten „aufpassen“ dürfen. Heute kommt einem das so dämlich vor, dass man sich dem gebeugt hat.

      Versuche vielleicht sie immer öfter von der Versammlung fernzuhalten. Unternehmt stattdessen was Schönes. Je mehr sie davon fernbleibt, desto mehr entzieht man sich der Indoktrination und ist eher bereit sich mit kritischen Fragen auseinanderzusetzen.
      Ansonsten viel Kraft für das eventuelle Rechtskomitee. Das muss besonders hart sein, wenn man weiß wie irrsinnig das Ganze ist.

      VG Oli

      Antworten
    2. Hanna Sutter sagt:

      Hallo
      Habe gerade ihr Buch gelesen. Bravo zum Mut! Für mich sehr vieles verständlich und nachvollziehbar, ist doch sehr vieles auch von mir erlebt worden wie Ausgrenzung etc. Irgendwann hatte ich den Mut einen Mann aus der Welt zu heiraten…. welch eine Sünde…. “ Man hat ja immer so gewarnt einen solchenWelt- Menschen zu heiraten“. Bis heute habe ich diesen Schritt nicht bereut und das ist nun 36 Jahre her. Nur gabs ein riesen Theater, mein Mann war katholisch…. Ich wurde aufgefordert mich im Hinterzimmer der Versammlung einzufinden, ich ging nicht hin. Dann wurde ich am Arbeitsplatz belästigt mit Telefnaten „von ach so besorgten Schwestern“. Ich wurde mit Briefen bombadiert, jede Woche über Monate traf einer ein. Junge Schwestern telefonierten und fragten ob ich sie in die Versammlung begleiten würde.
      Nach unserer Hochzeit machten mein Mann und ich uns Selbständig. Eines Tages stand ein Ältester mit dem Kreisaufseher in unserer Frima, redeten gleich auf meinen Mann ein dass er das Oberhaupt von mir sei, was für ihn gleich ein rotes Tuch war….. Ich wurde in die Mange genommen wie ich mir das denn vorstelle mit unserer Ehe und Gauben und so… und was und wie und und…. Kurzum mir wurde auf der Stelle mitgeteilt dass ich kein Zeuge Jehovas mehr sei…Für mich eine riesen Erleichterung. Sicherheitshalber gab ich dann meinen schriftlichen Austritt auch noch. Zuerst hatte ich ein sehr schlechtes Gewissen, heute muss ich einfach nur noch schmunzeln. Aber ich konnte jahrelang nicht über meine Erlebnisse in dieser Geimschft erzählen. die Verwandtschaft meines Mannes weiss bis heute nichts davon. Erst in letzter Zeit oute ich mich. In sehr negativer Erinnerung habe ich meine Schulzeit. Immer am Rande stehen in den unteren Klassen, in der Mittelstufe und in den oberen Klassen wurde ich sehr gemoppt. Und keiner half. Weder meine Eltern noch sonst wer. Auch muss ich leider sagen dass ich nirgends so lügen gelernt habe wie in dieser Sekte. In einer sehr konservativen Schule hatte man es als Kind sehr schwer. Und man wünschte sich nur eins, nämlich dazu gehören.
      An euch alle die Aufklärung betreiben; macht weiter so, es ist so wichtig. Niemandem wünsche ich meine Kindheit und Jugend. Erst als ich den Mut aufbrachte aus zubrechen konnte ich anfangen zu leben.

      Antworten
    3. Oliver Wolschke sagt:

      Liebe Hanna,

      ich bedanke mich sehr für deinen persönlichen Kommentar. „Erst als ich den Mut aufbrachte auszubrechen, konnte ich anfangen zu leben.“ Der Satz bringt es sehr gut auf den Punkt. Ich freue mich sehr für dich und deinen Mann, dass du als der Mensch, der du wirklich bist, entschieden hast und nichts bereuen musst! Ich wünsche euch beiden alles Liebe.

      Herzliche Grüße
      Oli

      Antworten
    4. Hanna Sutter sagt:

      Dank Oli
      Und das wünsche ich dir/euch auch. Haltet immer zusammen egal was kommt, dann kann nichts passieren.

      Alles Gute
      Hanna

      Antworten
    5. Kati sagt:

      Faszinierend wie ähnlich sich unsere Geschichte ist. Eigentlich erschreckend.

      Antworten
  8. Ella Li sagt:

    So wie du das beschreibst, sprichst du bestimmt jedem, der aufwacht oder aufgewacht ist, aus der Seele. Es ist ein langer Weg Selbstzweifel und der Angst… Aber du hast schon viel geschafft! Ich wünsche dir von Herzen, dass der Zeitpunkt kommt, an dem du komplett zu dir selbst stehen kannst, denn das bedeutet Freiheit… !

    (Ich selbst bin vor ein paar Wochen ausgestiegen, bin mit meinen 2 Kindern zu Hause ausgezogen… Wenn du möchtest, können wir uns gerne austauschen…)

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  9. Silas sagt:

    Interessant. Ich kämpfe momentan selbst um meinen freien Glauben, bin zwar nicht als Zeuge getauft (habe ich für mich auch sofort ausgeschlossen, als ich die Tauffragen las), studiere aber seit knapp anderthalb Jahren mit zwei Schwestern die Bib- ‘tschuldigung, die Wachtturmliteratur.
    Vor kurzem zeigte mein Verlobter mir den Film „Die Truman-Show“ und ich dachte mir sofort, dass das wie bei den Zeugen ist. Vor allem in der Schlussszene, wo der Regisseur sich durch die „Stimme von oben“ praktisch als Gott ausgibt, um Truman im Gefängnis zu halten. Und jetzt finde ich diesen Artikel, wo genau das passende Bild verwendet wurde.
    Bruderinfo hat auch mir schon sehr geholfen. Letzte Woche habe ich das erste Mal meine Zweifel über 607 v.u.Z. geäußert. Jetzt wollen sie, dass ich ihnen am Montag belege, dass 587 mehr Sinn ergibt und dann die Bibelchronologie auch noch funktioniert. Ich bin zwar noch lange nicht bereit für so ein „Bibelduell“, ich weiß gar nicht, was mich erwartet, aber ich werde es versuchen. Schlimmstenfalls belatschern die mich wieder irgendwie und ich mache das Studium weiter. Bestenfalls, aber unwahrscheinlich, sehen die Schwestern ein, dass 607 keinen Sinn ergibt, und ich habe zwei wertvollen Menschen einen Denkanstoß gegeben, endlich mal das Wort Gottes über das von Menschen zu stellen. Dazwischen liegt die Möglichkeit, dass die Diskussion soweit ausartet, dass sie keinen Sinn in der Fortsetzung des Studiums sehen. Dann müsste ich damit leben, dass die beiden mich als verloren ansehen. Aber dann hätte sich für mich auch das wahre Gesicht der Zeugen angesichts biblischer Beweise gezeigt. Und dann könnte ich komplett frei meine Hochzeit nächsten Mittwoch feiern. Mit Hoffnung, dass der gütige und liebende Yahweh mein Herz kennt und sieht, dass ich nie jemandem was böses will und allen Menschen nur Frieden und Glück wünsche. Statt mit Angst, dass der rachsüchtige Jehova mich vernichtet, weil ich es gewagt habe, einen Mann zu lieben.

    Ich grüße hier alle gleichermaßen und wünsche aber vor allem denen, die trotz der Fehler der Zeugen ihren Glauben an Gott bewahren konnten, dass dieser weiterhin stark bleiben und sie Hoffnung haben mögen. Maranatha!

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    1. Sebastian sagt:

      Hallo Silas,
      607 v.u.Z. kannst du ganz entspannt widerlegen. Schau mal hier: https://www.oliverwolschke.de/607-v-u-z-das-fundament-der-zeugen-jehovas-hinterfragt/

      VG
      Sebastian

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    2. Silas sagt:

      Hi, Sebastian!
      Danke für den Hinweis, Dass es sich ganz einfach widerlegen lässt, ist mir natürlich klar. Ich habe schon allerlei Seiten dazu gelesen. Aber ich weiß nicht, wie weit ich damit komme. Ich weiß nicht, welche Pseudo-Argumente mich erwarten. Ich habe schon öfters versucht, mit Verstand und Logik zu argumentieren, gestützt durch die Bibel, aber dann würde die Wachtturmtheologie runtergerattert, bis ich nicht mehr wusste, wo oben und unten ist. Das bereitet mir momentan Sorgen. Denn wenn ich mit meinen Ausführungen scheitere, ob gerechtfertigt oder ungerechtfertigt, werden sie sich mit ihrem Jahr 607 nur umso mehr bestätigt sehen… es wäre einfach praktisch, im Voraus die Argumente des Gegenübers zu kennen, aber wenn ich irgendwas sage, kommt immer direkt irgendeine aus dem Zusammenhang gerissene Bibelstelle und wenn ich nicht sofort was zu erwidern habe, ist die Diskussion vorbei.
      Ich werde wohl einfach versuchen, alle Informationen zusammenzutragen und komplett offen und ehrlich vortragen. Und dann soll halt der Herzenszustand der Schwestern darüber entscheiden, ob sie mir bzw. der Bibel glauben, oder weiter an ihrer Doktrin festhalten.

      Liebe Grüße, Silas

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    3. Sebastian sagt:

      Hallo Silas,
      ZJ akzeptieren höchstens die Argumentation über die dritte Wegführung und die Liste der Könige, der Rest ist ihnen ziemlich egal. Als Argument haben sie nur den w2011 – in dem Wissenschaftler angeführt werden, welche laut Fußnote auch 607 v.u.Z. als falsch darstellen – und das IT.
      Aber bitte durchdenke das mal ehrlich was du tust. Das Studium mit ZJ bedeutet für dich am Ende nur Stress und du weißt auch, das es nichts bringt. Ist es wirklich die Zeit wert?
      LG
      Sebastian

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    4. Silas sagt:

      Hi, Sebastian!

      Ich hätte das Studium vielleicht schon längst abbrechen sollen. Andererseits habe ich auch „Freunde“, zu denen ich schon seit Jahren den Kontakt hätte abbrechen sollen, denen ich aber immer wieder eine Chance gebe. Ich weiß nicht, ich bin irgendwie niemand, der Dinge beendet, außer wenn sie „Fertiggestellt“ sind.
      Ich hätte heute die Diskussion und fühlte mich, als würde ich mit zwei Wänden reden. Im besten Fall waren die beiden Schwestern intellektuell nicht weit genug, um meinen Auführungen zu folgen (ohne sie dafür beurteilen zu wollen), im schlimmsten Fall verschließen sie vehement die Augen vor allem, was gegen die leitende Körperschaft und ihre Lehren geht. Wir haben uns im Gespräch mehrfach im Kreis gedreht, weil sie einfach nicht verstanden haben, was ich gesagt habe. Am Ende stand ich da, wo ich vorher war, nämlich dass nichts wirklich Sinn ergibt und alles nur verwirrend ist. Sogar der Argumentation mit den Königen und den Regierungszeiten haben Sie widersprochen. Sie haben gesagt, im Wachtturm stünde nie was falsches und sowohl die Liste mit den Königen als auch die Lehre von 607 seien richtig, obwohl das ein Widerspruch in sich ist. Kognitive Dissonanz lässt grüßen…
      Vielleicht bringe ich das Buch noch zu Ende und sage den beiden dann, dass ich keinen Sinn darin sehe, noch weiter zu studieren, wenn ich Dogmen und Doktrinen wie bei den Katholiken akzeptieren soll, obwohl sie der Bibel, der Wissenschaft oder sogar sich selbst widersprechen, und dass ich ihnen alles Gute wünsche und auch für sie bete, aber für mich meinen Weg zu Yahweh ohne eine Organisation fortsetzen werde. Und wenn sie dann denken, dass ich verloren bin, ist das ihr Pech. Mal schauen, wo sich das noch so hin entwickelt. Jedenfalls an dich vielen Dank für deine Antworten!

      Liebe Grüße, Silas

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  10. Sara-Maria Witschnig sagt:

    Hallo Silas,
    ich möchte dir auf keinen Fall irgendwas Böses oder Irrsinniges einreden, aber das einzige, oberste Ziel eines Heimbibelstudiums ist der, dass du dich jetzt doch mal bald taufen lassen sollst. Da du jetzt schon seit anderthalb Jahren die Bibel studierst bekommen diese zwei Schwestern sicher schon Druck von oben weil mit dir „nichts weiter geht“. Jetzt solltest du dich entscheiden, ob du der Organisation angehören willst oder nicht. Wenn nicht, solltest du das Bibelstudium sofort beenden. Bei den Zeugen gibt es in diesem Punkt keine halben Sachen. …..

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  11. Ulrike sagt:

    Es ist schön, ein paar Gleichgesinnte hier zu treffen. Ich wurde auch in diesen Glauben reingeboren und habe mich mit 13 Jahren taufen lassen, weil sich eine Freundin auch hat taufen lassen. Ich habe einfach alles mitgemacht. Erst der Umzug in eine andere Stadt hat mich zum selbständigen Denken gebracht und bald war mir klar, dass der Glaube der Zeugen Jehovas nicht mein Weg sein kann. Als meine Familie und Freunde erfuhren, dass ich nicht mehr in die Versammlung gehe, gab es viel Druck. Nicht von allen. Nun sind ca. 30 Jahre vergangen und alle lassen mich mehr oder weniger in Ruhe, wenn ich mal wieder zu Besuch komme. Der Ordnung halber könnte ich mich ausschließen lassen, aber es ist die Ordnung der ZJ, nicht meine Ordnung. Ich lehne Ausschlüsse ab, weil wir nicht mehr im Mittelalter leben und deswegen werde ich niemals zu einem Komitee gehen (heißt das noch so?). Es gibt so vieles, was mich an Organisationen wie den ZJ stört, wie z.B. dass man sich ständig von Menschen dort sagen lassen muss, was man darf oder nicht darf. Ich liebe meine Freiheit und bin sehr froh und stolz, dass ich trotz großem Druck den Weg aus dieser Organisation heraus gefunden habe. Ich wünsche Euch allen, die es noch vor sich haben, viel Kraft und Hut ab für die, die es geschafft haben.

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  12. daniel reumiller sagt:

    toller text. vieles erinnert mich an meinen eigenen ausstieg vor über zwanzig jahren. es war vielleicht die erste wirklich ehrliche entscheidung in meinem leben. alles gute und viel glück!

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  13. Anonym sicherheitshalber sagt:

    Danke für all die Ausführungen.
    ich sehe auch all die schlimmen Zustände in der Organisation.
    Gott sei dank bin ich dahinter gekommen, bevor ich dort
    einverleibt worden wäre. LG.

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  14. Pfingsten sagt:

    Ich bin ebenfalls eine Aussteigerin nach 37 Jahren ….es war eine krasse Entscheidung für mich …denn in einer solch langen Zeit ist man umgeben von Gleichgesinnten. Danach war sozial alles tot.Keine Familie mehr, keine Brüder, ..die sog.feindliche Wekt musste ich mir zurück erobern und es ist mir gelungen,liebenswerter und ehrlicher e Freunde zu finden als ich sie je bei den Zeugen hatte (das weiß ich jetzt)
    Bitte überlegt Euch ernsthaft, ob Ihr dort verbleiben bzw einsteigen wollt…es ist nicht Gottes Organusation…der braucht keine.
    „Geht aus ihr hinaus wenn Ihr nicht teilhaben wollt an ihren Sünden“ das ist ganz dringend nötig., denn es ist eine Orh.mit einem religiösen Deckmantel unter Satans Leitung…..

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  15. Nine sagt:

    Ich habe einen Zeugen kennen gelernt der zum zweiten Mal verheiratet ist. Ich bin auch verheiratet wir haben uns verliebt und unsere Ehen gebrochen. Er wollte nur mich. War ganz verrückt nach mir. Sie hat ihn dann rausgeschmissen. Da ich aber leider zu lange gebraucht habe meine Angelegenheiten mit meinem Mann zu klären hat er sich wieder von mir distanziert. Jetzt sagt er dass es ihm ganz schlecht geht. Er liebt mich und nicht sie. Er vermisst mich und führt einen Kampf mit sich. Nun ist er wieder bei ihr eingezogen und er darf keinen Kontakt zu mir haben. Er sagt aber selber zu mir dass er noch am überlegen ist was er macht. Also das ich ihn noch nicht ganz verloren hätte. Was kann ich tun? Ich liebe diesen Mann und möchte mein Leben mit ihm verbringen. Er sagt das ich keinen Druck machen soll aber ich glaube je länger er bei ihr und der Gemeinschaft ist meine Chancen schwinden.

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  16. Ich sagt:

    Bin seit einigen Jahren weg. Habe Gemeinde nicht verlassen und auch keinen Gemeinschaftsentzug. Ausstieg light sozusagen. Trotzdem tut es weh. Gefühlt ist es meine Familie. Wir haben Kinder gemeinsam beerdigt und gemeinsam am Sterbebett unserer Eltern gesessen. Ich habe einige noch sehr sehr lieb – und sie mich auch. Das weiß ich. Gleichwohl hasse ich Gott. Es geht mir besser, wenn ich nicht daran glaube, dass es ihn gibt. Daraus mache ich auch keinen Hehl. Das weiß jeder von mir. Und das tut denen die Gott im Leben brauchen weh…. Mich meidet niemand. Aber der Umgang ist schwierig. Für beide Seiten. Das Leben ist manchmal hart und manchmal gibt es keine Brücken. Das ist schwer auszuhalten.

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  17. Kati sagt:

    Hallo
    Danke für deinen Bericht. Ich kann mich so sehr in dich hineinversetzen.
    Ich wurde im Frühling 2002, mit 16 Jahren ausgeschlossen. Nach meiner nicht schönen Schulzeit fing ich mit 15 eine Lehre an. Da habe ich erst gesehen wie das Leben wirklich ist. Ich habe dann einen jungen Mann kennengelernt und mich verliebt. Von da an ging es ganz schnell. Nach einer Versammlung kam ein Ältester zu mir und fragte mich, ob das stimme dass ich einen weltlichen Freund hätte. Ich war so überrascht und habe gleich mal NEIN gesagt. Eine Woche später kamen dann zwei Älteste zu mir und meinten dass sie mir das nicht glauben, da mich jemand gesehen habe. Da war ich dann schon gefasst und habe es zugegeben. Dann kam die indiskreteste Frage, die ich jemals gestellt bekommen habe. Nämlich ob ich Sex mit ihm hatte und wie der Sex genau ausgesehen hatte. Auch diese Frage beantwortete ich wahrheitsgetreu mit JA. Somit war es fix, ich hatte in ihren Augen eines der schlimmsten Verbrechen die es gibt befangen. „Unehelichen Sex“!!! Ich wurde zu einem Komitee geladen und dort beleidigt, als Hure beschimpft und ausgeschlossen. Ich war einfach jung und naiv. Heute würde ich diesem Komitee ganz anders gegenübertreten oder einfach nicht hingehen. Obwohl so habe ich einen Abschluss gehabt. Von einem Tag auf den anderen hatte ich außer meinem Freund niemanden mehr. Keine Familie, keine sog. Freunde, und das mit 16 Jahren.Diese absolute Leere war unbeschreiblich. Das Kommitee hat mir auch erklärt, dass mein Freund mich ganz sicher verlassen wird. Aber entgegen aller Behauptungen bin ich mit diesem jungen Mann heute noch verheiratet. Wir haben 3 Kinder. Geblieben sind mir bis heute die massiven Selbstzweifel mit einem nicht vorhandenen Selbstwertgefühl, die Angst vorm Verlassen werden und die Konflicktscheue.
    All die Jahre habe ich alles ganz tief in meinem Innersten eingegraben. Nicht einmal mit meinem Mann hab ich über diese Erlebnisse und meiner Jugend sprechen können. Ich wusste da schlummert etwas in mir, dass ich mit aller Macht begraben haben,aber es war ok so. Nur jetzt ist meine Tochter 16 Jahre alt geworden, so alt wie ich damals war und es kommt wieder sehr vieles Hoch. Auch nachts in den Träumen. Ich hoffe, das legt sich wieder.

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  18. Bibi sagt:

    Ich habe jetzt lange überlegt und gesucht und denke unter deine Reise passt mein Kommentar ganz gut.
    Ich bin jetzt am 6. Januar 2022 ausgeschlossen worden, nachdem ich einen Brief geschrieben habe, dass ich die Gemeinschaft verlassen möchte.
    Ich bin jetzt 35 Jahre alt und habe mich mich 16 Jahren taufen lassen, ich bin als Zeugin Jehovas groß geworden.

    Ich war nie die typische Zeugin Jehovas
    Ich war als Teenager in discos (heimlich) und hatte immer einen weltlichen Freundes Kreis – der mir jetzt den arsch rettet auf deutsch gesagt

    Mein Mann und ich haben mit 19 geheiratet – mit 25 ist er das erste mal fremd gegangen – hat aber bereut und mir wurde nahe gelegt ihm dringend zu verzeihen – ich hatte ein drei Monate altes Baby und ne drei jährige Tochter also hab ich das getan – zwei Jahre später das gleiche Spiel
    Ich hab ihm damals gesagt beim dritten Mal ist Schluss
    2020 kam das dritte mal
    Ich habe mich getrennt
    Und sah mich statt mit Unterstützung mit ältesten konfrontiert die mir dringend geraten haben in meine Ehe zurück zu kehren da ich ja den ehebruch an sich nicht nachweisen konnte. Ich hab mich geweigert und meine Kinder und ich wurden zu Personen non grata …. Gemieden schlechter Umgang

    Corona kam und gab mir Zeit bei online Meetings darüber nachzudenken ob ich das alles noch will
    Ich lernte jemand neues kennen
    Was einige meiner Freunde aus der Versammlung auch wussten und mich nie verraten haben

    Für meine Familie war ich damals schon eine Schande.

    Nun bin ich nach langer Vorbereitung – zurückziehen von Freunden – Nummern wechseln und langen Gesprächen mit den Kindern die inzwischen 13 und 10 sind – ausgetreten- und trotzdem tut es bei manchen Freunden sehr sehr weh
    Wie geht man damit um ? Ich hab das Gefühl niemand versteht diese Gefühle …. Meine Familie hat nicht mal gefragt warum … ich bin einfach tot

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    1. Kati sagt:

      Ich wünsche dir alles alles Liebe für deinen zukünftigen Weg. Ich kann das sehr gut nachempfinden wie du dich fühlst. Die Einsamkeit ist am Anfang sehr schwer. Versuche neue Kontakte zu knüpfen, z.B. bei den anderen Müttern. Zum Beispiel bei Geburtstagsfeiern zu denen deine Kinder eingeladen werden. Das ist seit Corona zwar etwas schwieriger geworden, aber du wirst mit der Zeit neue Bekanntschaften schließen aus denen auch die eine oder andere Freundschaft entsteht. Ich wünsche dir auch, dass du irgendwann einen Mann findest, der dich unterstützt, liebt und dich verdient hat. Bleib stark, auch um deiner Kinder Willen. Nutze die Zeit, die du sonst in der Versammlung warst, ganz bewusst für dich und deine Kids. Ich würde dir jetzt gern sagen, dass alles einfach ist, aber das wird es wahrscheinlich nicht. Es wird dich noch lange verfolgen, aber es ist es wirklich wert ein Leben ohne die ständige Angst zu führen. Mit der Zeit wird vieles leichter und besser. Ich sehe es heute an meinen Kindern wie wundervoll und leicht die Jugend sein kann ohne diese vorgegebenen Zwänge und die Angst etwas falsch zu machen und dafür die Liebe der Eltern und Freunde zu verlieren. Nach all den Jahren kann ich sagen, dass niemand mein richtiger Freund ist, solange er die Freundschaft an solche Bedingungen knüpft. Ich wünsch dir alles Gute für deinen Weg.

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  19. Julian sagt:

    Ich brauche eure Hilfe. Meine Freundin ist JZ
    zu unserer Geschichte.
    Wir kennen uns seit über 20 Jahren, wir waren früher schon ein Paar. Damals wurde sie in den Glauben hineingeboren, ist aber als ich sie kennenlernte, mit 20 schon lange nicht mehr mit den Eltern hingegangen. Sie sagte sie versteht eher diese Religion als eine andere, aber wollte nicht dazu gehören. Sie litt eher darunter, dass ich natürlich nie bei ihr übernachten durfte, weil sie noch zuhause wohnte und hatte sonst keinerlei Berührungspunkte. Nach der Trennung vergingen viele Jahre. Ich habe Kinder bekommen, sie leben bei mir. sie hingegen lernte Freunde kennen, die sie wieder zu dem Glauben führen, in dem sie aufgewachsen war und sie lies sich als Erwachsene frau noch taufen.
    Als wir uns vor ein paar Jahren wiedertrafen erzählte sie mir das alles erst mal nicht. Ich wusste nichts davon und es war ihr auch nicht anzusehen. Denn wir führten unsere Beziehung genauso weiter wie damals. Mit sex und Übernachtungen. Irgendwann rückte sie mit der Sprache raus. Sie habe sich damals so entschieden, Liese sich taufen und stecke aber seit einiger Zeit selbst in einer Art Krise ob das noch der richtige Weg sei.
    Sie sagte mir sie ginge seit einiger Zeit nicht mehr zu Versammlungen aber würde nicht raus wollen weil die Beziehung mit den Menschen und Freunden mit denen sie jahrelang auch gemeinsam in urlaub fuhr usw sonst drauf gehen würden. Wir verdrängten das Thema lange , denn alles, was ich sagte, entfernte uns noch weiter voneinander. Eines Tages stand jemand vor der Haustür. ich war gerade da und ich merkte wie es sie unter Druck setzte und sie nicht wollte dass sie mit mir gesehen wurde. Sie erzählte mir dass das ein normaler Besuch war der immer mal vorkommt wenn jemand in der Gegend war und es wühlte sie unglaublich auf. Ich hatte das Gefühl verleugnet zu werden und das war es ja auch, und in ihr kamen wohl Gefühle und Ängste hoch die sie bis dahin verdrängte. Corona und dass ohnehin vieles nur noch online war kam uns zugute und wir sprachen monatelang nicht Über das Thema.
    Nun kam es seit langem wieder auf den Tisch, ich fange gelegentlich damit an weil ich nach all der Zeit ihre Freunde nicht kennengelernt habe. Sie sagt sie wüssten das nötigste.
    Sie geht seit ein paar Jahren nicht dort hin, aber ich weiß nicht ob es wegen Corona ist oder weil sie es nicht mehr will. Sie lebt mit uns ein normales Leben. feiert Geburtstage, Ostern, Weihnachten mit Weihnachtsbaum. Wir haben Sexualität. Aber sie will nicht raus. Sie sagt sie könne doch einfach für ewig so bleiben und habe sich doch für ein Leben mit uns entschieden und lebe quasi in Sünde und ist zwar der Religion noch Angehörig aber da sie sie nicht auslebt, wäre das doch ausreichend.
    Aber ich habe Angst dass das nicht so bleibt. Dass sie nach Corona wieder mehr hingehen wird, dass der Tag kommt, wo sich auch in unserer Beziehung einer einmischt und wo sie verhört werden wird. Wo sie sich vielleicht falsch entscheidet. Ich sage ihr, dass ich nicht denke, dass es viele JZ gibt, die quasi passiv dabei sind. Dass das nicht so sein kann und dass sie eine Entscheidung und eigenen Ausstieg braucht. Sie will es so lassen. Sich wenig damit auseinandersetzen. Ich weiß nicht ob sie noch kritisch hinterfragt. Sie sagt sie kann sich mit vielem nicht mehr so identifizieren aber wenn ich sie darüber reden höre dann lässt sie nach wie vor nur gutes an die Gemeinschaft. Alles was ich sage ist falsch. Sie gehe ja schon nicht mehr hin, sehe die alten Freunde kaum noch, sei nur bei uns. Ich bekomme öfter mit, dass sie von Mitgliedern Briefe und Karten oder präsente im Briefkasten hat. Ich frage dann immer ob sie sie zurückholen wollen. Das gibt sie natürlich nicht zu.
    Ich habe Angst dass jetzt nach Corona mehr Druck auf sie ausgeübt wird, damit sie wieder kommt.
    Ich möchte sie nicht drängen aber so gerne dazu bewegen, dass sie ganz raus geht. Auch wenn sie sich an fast nichts hält, so sieht sie immer noch alles rosarot habe ich den Eindruck. Ich habe ihr gesagt dass ich damit nicht leben könnte, wenn sie sich wieder mehr dort einbringt und habe die Befürchtung Corona war nur eine Ausrede nicht hinzugehen… was wenn das die anderen auch bald kapieren.
    Es ist für mich nicht gerade ein tolles gefühl dass sie dieses alte Leben von mir fernhält. Die wenigen Treffen mit Freunden zuhause, machen sie immer alleine. Das wird sich wohl auch nicht ändern.
    Ich weiß nicht was ich tun soll. Äußere ich meine ganzen Bedenken und verweise sie auch das alles hier mal durchzulesen, werde ich sie wohl wieder noch mehr von mir wegtreiben. Allerdings habe ich die letzten Jahre damit gelebt dass sie in einem
    Prozess ist und da rausgehen will. Jetzt aber sagte sie mir sie will bleiben und einfach so weiterleben wie jetzt. Das ist nicht das, was ich mir vorgestellt habe. Bei der Härte und extreme dieser Organisation habe ich einfach Angst, dass sie sie nicht gehen lassen würden.
    Aber klar, wenn nur einer wüsste, wie sie hier mit uns lebt, dann gebe es daran vermutlich ohnehin kein Rütteln mehr. Gibt es den Ausstieg light, oder ist es berechtigt, dass ich Angst habe, sie würden sie nicht in Ruhe lassen und sie stehe immer zwischen 2 stühlen und 2 Welten.

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