Die Corona-Krise: Was Verschwörungstheorien und Kulte gemeinsam haben

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Die Corona-Krise ist eine Zeit der Gegensätze. Wenn man die sozialen Netzwerke durchforstet, stößt man früher oder später auf die unterschiedlichsten Aussagen darüber, woher das Virus kommt, ob es so gefährlich ist wie behauptet, ob es in die Welt gesetzt wurde, um bestimmte wirtschaftliche Ziele zu erreichen oder sogar, ob es nicht mehr ist als ein gewöhnliches Grippevirus, das ohne den medialen Hype gar nicht aufgefallen wäre. Manch einer bestreitet sogar gleich komplett die Existenz eines neuartigen Krankheitserregers oder sieht eine dystopische Zukunft am Horizont heraufziehen, in der den Menschen durch Zwangsimpfungen Chips, die der totalen Überwachung dienen, in den Körper “geschmuggelt” werden. In diesem Zusammenhang werden häufig Wendungen wie “die da oben“ oder „Strippenzieher hinter den Kulissen“ gebraucht. Gleichzeitig wird vonseiten öffentlich-rechtlicher Medien ein komplett anderes Bild gezeichnet.

Jeder Leser dieses Artikels wird sich bereits seine eigenen Gedanken gemacht und eine bestimmte Ansicht zu dem Thema entwickelt haben. Da sich diese Ansichten häufig widersprechen und teilweise sogar gravierend voneinander abweichen, liegt es auf der Hand, dass viele davon nicht der Realität entsprechen können. Genaugenommen gibt es sogar nur eine einzige Realität und man kann mit der eigenen Ansicht mehr oder weniger weit davon entfernt sein.

Auch Jehovas Zeugen haben dem Auftreten der Seuche besondere Bedeutung beigemessen und ihre eigenen Schlüsse gezogen. So sagte z.B. Steven Lett, Mitglied der Leitenden Körperschaft (spirituelle Führung der Zeugen Jehovas), dass der Ausbruch der Pandemie zeige, dass wir im letzten Teil des letzten Teils der Zeit des Endes, kurz vor dem letzten Tag der letzten Tage lebten.

Meinungsvielfalt ist lobenswert und es ist wichtig, sich einen Überblick zu verschaffen. Als ehemaliges Kultmitglied weiß man das nur zu gut. Dennoch können einige Weltbilder durchaus ganz konkrete schädliche Auswirkungen haben. Auch das ist ehemaligen Zeugen Jehovas schmerzlich bewusst.

Es gibt also ein Spannungsfeld zwischen der Meinungsfreiheit einerseits und der Verbreitung von schadenverursachenden falschen Weltbildern.

Zunächst entstehen jedoch folgende Fragen:

Gibt es angesichts der großen Anzahl widersprüchlicher Informationen und Ansichten über die Corona-Pandemie eine Möglichkeit, herauszufinden, welche Vorstellung am ehesten mit der Realität übereinstimmt? Und welche Lehren können wir daraus in Bezug auf Jehovas Zeugen und destruktive Kulte im Allgemeinen ziehen?

Methode versus Ergebnis

Manch einen Leser wird es überraschen zu erfahren, dass ich in diesem Artikel keine gängigen Theorien zur Corona-Pandemie aufliste und diese dann nach und nach auf ihren Wahrheitsgehalt hin überprüfe. Stattdessen möchte ich das Problem von der methodologischen Seite aus angehen.

Da einem als Laien meistens viele wichtige Kenntnisse fehlen und in dieser komplexen Krise sogar Experten nur unvollständige Informationen haben, macht es weniger Sinn, viel über Inhalte zu diskutieren. Die Frage, die von Interesse ist, ist vielmehr: Wie ist derjenige zu seinen Ergebnissen bzw. Glaubenssätzen gelangt? Stützen sich seine Vorstellungen auf logische Fehlschlüsse oder logisch einwandfreie Schlussfolgerungen? Um zum Beispiel ein YouTube-Video auf seinen wahrscheinlichen Wahrheitsgehalt hin zu testen, reicht es häufig, die logischen Fehlschlüsse zu zählen, die vom Autor gebracht werden. Je mehr dieser Fehlschlüsse darin vorkommen, desto geringer voraussichtlich der Wahrheitsgehalt des Beitrags. Natürlich kann jemand ein unsinniges Argument bringen und daraus zufällig die richtige Schlussfolgerung ziehen. Aber hierbei handelt es sich um Ausnahmefälle. Ein überspitztes Beispiel:

  • Der Himmel ist blau.
  • Das Wasser ist nass.
  • Also ist McDonalds ein Fastfood-Restaurant.

Solche Zufallstreffer kann man getrost unbeachtet lassen.

Ich möchte dem kritischen Denker hier vor allem Konzepte näherbringen, die man auch jederzeit auf andere Bereiche anwenden kann (z.B. auf die Glaubenssysteme destruktiver Kulte). Dazu gehören einerseits die erwähnten logischen Fehlschlüsse, die immer wieder im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie zu hören sind. Ich werde einige der Fehlschlüsse benennen und die dazugehörigen Aussagen exemplarisch auflisten. Diese habe ich von Arbeitskollegen, Freunden, Bekannten, auf YouTube und in anderen sozialen Netzwerken sinngemäß tatsächlich so gehört. Es sind also “Real-World-Beispiele”. Andererseits werde ich einige typische kognitive Verzerrungen beleuchten, die häufig als Ursache hinter den erwähnten Aussagen stecken.

Ursache irrationaler Vorstellungen jeglicher Art sind meist kognitive Verzerrungen

Wer dieses Wissen hat, kann recht leicht zwischen Wahrheit und Unsinn unterscheiden.

Außerdem werde ich einige Methoden benennen, die einem helfen,  die Spreu noch besser vom Weizen zu trennen, ohne inhaltlich Experte auf dem jeweiligen Gebiet (z.B. der Virologie) sein zu müssen.

Meist versteht man im Zusammenhang mit der Corona-Krise unter dieser „Spreu“ Verschwörungstheorien. Der Begriff ist leider negativ besetzt. Er sagt eigentlich nur aus, dass der Argumentierende an eine Verschwörung glaubt. Da es in der Geschichte immer wieder echte Verschwörungen gab, ist eine Verschwörungstheorie nicht per se irrational. Im Folgenden will ich jedoch typisch irrationale Verschwörungstheorien beschreiben, die sich in ihrem Aufbau signifikant von rationalen Verschwörungstheorien unterscheiden. Stellt man diesen typischen Aufbau fest, kann man davon ausgehen, dass die Theorie mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht der Realität entspricht. Ein Zufallstreffer wäre wie im Falle der logischen Fehlschlüsse sehr unwahrscheinlich.

Das Bemerkenswerte ist, dass es zwischen irrationalen Verschwörungstheorien und den Glaubenssystemen destruktiver Kulte kaum Unterschiede gibt. Wer also einer irrationalen Verschwörungstheorie zum Opfer gefallen ist, wäre höchstwahrscheinlich genauso einem destruktiven Kult ins Netz gegangen.

Leser des Blogs, die das bei sich selbst feststellen, haben sich das Rüstzeug zur Erkennung irrationaler Vorstellungen noch nicht vollständig angeeignet.

Diese Aussage mag bei dem einen oder anderen Besucher Empörung hervorrufen. Grund genug, um sich selbst zu prüfen und festzustellen, ob einem die weiter unten beschriebenen Zusammenhänge tatsächlich klar waren.

Wir können also festhalten:

Um zu erkennen, ob eine bestimmte These irrational ist, betrachtet man am besten, wie sie begründet wird: mit logischen Fehlschlüssen oder rationalen Argumenten und prüft, ob die Schlussfolgerungen von kognitiven Verzerrungen im Hintergrund befeuert werden. Logisches Argumentieren ist nicht einfach und auch Personen, die die Realität vertreten, schaffen das nicht immer fehlerfrei. Wenn diese unzureichende Logik jedoch am laufenden Band verwendet wird, sind die vorgetragenen Thesen offensichtlich falsch. Über die Methode des Erkenntnisgewinns zu sprechen, ist daher wichtiger als über das Ergebnis – insbesondere, wenn man kein Experte auf dem jeweiligen Gebiet ist.

Kognitive Verzerrungen

Ursache irrationaler Vorstellungen jeglicher Art sind meist kognitive Verzerrungen. Es handelt sich hierbei um “Abkürzungen”, die das Gehirn nimmt, weil es nicht über ausreichend Rechenleistung und Speicherplatz verfügt, um die Realität in vertretbarer Zeit korrekt zu berechnen. Man wird dadurch zwar in die Lage versetzt, schnelle Entscheidungen zu treffen, jedoch sind diese oft nicht in Übereinstimmung mit der Wirklichkeit. Das lässt einen schnell an irrationale Theorien oder Glaubenssysteme destruktiver Kulte glauben.

Einige dieser Verzerrungen (und daraus folgende logische Fehlschlüsse) sind besonders typisch für Verschwörungstheoretiker und kommen ebenfalls bei Jehovas Zeugen häufig vor.

Wir werden im Laufe des Artikels einige dieser Mechanismen betrachten. Doch zunächst müssen wir eine weitere Frage klären:

Was ist eine irrationale Verschwörungstheorie und worauf beruht sie?

Ich stütze mich in meinen Ausführungen auf die Hinweise der European Cooperation in Science and Technology.

Die Worte “Verschwörungstheorie” und “Verschwörungstheoretiker” werden im Folgenden nur für irrationale Verschwörungstheorien – nicht für Theorien über Verschwörungen, die – rational betrachtet – Hand und Fuß haben, gebraucht.

Irrationale Verschwörungstheoretiker gehen in der Regel von drei Annahmen aus:

  1. Nichts passiert zufällig
  2. Nichts ist, wie es scheint
  3. Alles hängt zusammen

Ausgangspunkt für Verschwörungstheorien sind meist welterschütternde Ereignisse, wie z.B. 9/11, die Mondlandung, die Ermordung J.F. Kennedys oder eben die Corona-Pandemie. Im Zuge dieser Ereignisse gibt es eine “offizielle” Version der Geschichte, die in den Mainstream-Medien verbreitet wird. Im Falle des Corona-Virus ist das die Vorstellung, dass der Krankheitserreger durch evolutionäre Mechanismen so mutierte, dass er vom Tier auf den Menschen überspringen und auch die Fähigkeit entwickeln konnte, sich von Mensch zu Mensch durch Tröpfcheninfektion weiter zu verbreiten, was letztendlich zu den Maßnahmen der Regierungen geführt hat (Shutdown etc.).

Studie der Chapman University über Verschwörungstheorien
Quelle: https://blogs.chapman.edu/wilkinson/2016/10/11/what-arent-they-telling-us/

Ein Verschwörungstheoretiker würde nun gemäß der o.g. drei Punkte nicht von Zufall ausgehen, sondern vielmehr fragen: Wem nützt es bzw. wer profitiert? Oder anders ausgedrückt: Wer hat das Virus in die Welt gesetzt, um welches Ziel zu erreichen?

Sind die Profiteure gefunden, wird nach Indizien gesucht, die darauf hindeuten, dass diese Gruppe tatsächlich etwas mit der Angelegenheit zu tun hat. Die gewonnenen “Erkenntnisse” werden dann häufig in den sozialen Medien geteilt. Außerdem wird auf vermeintliche Ungereimtheiten in der “offiziellen” Version hingewiesen und diese als Beweis für die Richtigkeit der abweichenden Ansicht angeführt. Mehr und mehr Menschen schließen sich den alternativen Ansichten an und verbreiten sie ebenfalls weiter.

Damit die Theorien funktionieren, muss davon ausgegangen werden, dass sehr viele Personen aus unterschiedlichen Ländern, Berufsgruppen, Institutionen usw. insgeheim kooperieren. All diese Menschen agieren abgestimmt und hängen miteinander zusammen. Daher wird zum Beispiel in manchen Verschwörungstheorien zum Corona-Virus von einem “weltweit orchestrierten Finanz-Coup”  gesprochen. Zeigt ein Kritiker Probleme in der Argumentationskette auf, wird die Theorie häufig dadurch “gerade gebogen”, dass behauptet wird, weitere Personen seien in die Verschwörung involviert. Diese Verschwörer führen zudem nichts Gutes im Schilde, sondern wollen rigoros ihre eigenen Interessen durchsetzen – ungeachtet der negativen Folgen für andere.

Betrachten wir nun einige grundlegende Fakten, die den drei o.g. Glaubenssätzen eines Verschwörungstheoretikers entgegenstehen.

Wissenschaft oder Pseudowissenschaft?

Verschwörungstheoretiker begehen – genau wie Pseudowissenschaftler und Jehovas Zeugen – einen grundlegenden Fehler in der Methodik ihres Erkenntnisgewinns. Sie gehen von den drei weiter oben erwähnten Annahmen aus (oder im Falle der Zeugen von der Annahme: “Es gibt einen Gott und die Bibel ist sein Wort”) und suchen dann nach Indizien, die diese Annahmen bestätigen. Die wissenschaftlich und logisch korrekte Vorgehensweise ist jedoch genau umgekehrt: Man geht ergebnisoffen an die Sache heran (“Es kann Zufall oder eine Verschwörung sein!”), zieht aus den vorliegenden Fakten und Untersuchungsergebnissen einen logisch einwandfreien Schluss, welchen man anschließend zu widerlegen (!) sucht. Schafft man das, ist man froh, weil man seinen Horizont dadurch erweitern konnte, dass man eine anfänglich plausibel erscheinende Möglichkeit ausschließen konnte, was den Forschenden einen Schritt näher an die Entdeckung der Realität bringt.

Es ist wie bei Gericht: Würde der Richter von Anfang an davon ausgehen, dass der Angeklagte schuldig ist und dann nur Zeugenaussagen hören und Beweise gelten lassen, die seine Überzeugung bestätigen? Mit Sicherheit nicht. Er würde ergebnisoffen an die Sache herangehen, sich alle Argumente ansehen und auf dieser Basis ein hoffentlich gut begründetes Urteil fällen.

Das Problem der logisch nicht einwandfreien “Richtung” der Vorgehensweise findet man bei Verschwörungstheorien und destruktiven Kulten im Prinzip immer.

Verschwörungstheoretiker sehen die Folgen der Corona-Krise und schließen daraus auf ihren Ursprung zurück. Der wurde jedoch in keiner Weise von seinen Folgen beeinflusst, da der Zeitpfeil in die andere Richtung verläuft. Zum Beispiel wird der wirtschaftliche Lockdown als Versuch angesehen, künftig Änderungen am Finanzsystem vorzunehmen (von denen die “Strippenzieher” dann profitieren). Viel logischer ist jedoch die Frage, die auch mit dem zeitlichen Ablauf in Übereinstimmung ist: Welche Maßnahmen sind erforderlich, um die ungehinderte Ausbreitung eines tödlichen Virus in der Bevölkerung zu verhindern? Folgt man dieser Frage, kommt man automatisch zum Lockdown oder anderen Maßnahmen.

Der logische Ablauf wäre also:

  1. Gefährliches Virus taucht auf
  2. Menschen sterben
  3. Maßnahmen (z.B. Lockdown) werden ergriffen
  4. Wirtschaft leidet, aber Tote werden reduziert

Ein Verschwörungstheoretiker beginnt bei den Folgen:

  1. Wirtschaft leidet wegen ergriffener Maßnahmen
  2. Wer profitiert?
  3. Profiteur gefunden
  4. hat also Virus in die Welt gesetzt oder sich ausgedacht, um Maßnahmen ergreifen zu können
  5. profitiert von den ergriffenen Maßnahmen

In der Frage “Wer profitiert?” stecken bereits Glaubenssätze, die für wahr gehalten und von denen einfach ausgegangen wird: nämlich die beiden vorhin genannten Annahmen, dass nichts zufällig passiert und nichts ist, wie es scheint. Man geht also nicht ergebnisoffen an die Sache heran, was die Methode als logisch fehlerhaft entlarvt.

Damit die von Verschwörungstheoretikern verwendete Logikkette funktioniert, muss die Gefährlichkeit des Virus oder sogar seine Existenz bestritten werden, denn ansonsten wären die von der Regierung ergriffenen Maßnahmen ja doch auf das Virus zurückzuführen und nicht auf die angenommene versteckte Agenda der Verschwörer.

Wer Zweifel an der Gefährlichkeit des Virus hat (und damit an der Sinnhaftigkeit der daraus folgenden Maßnahmen), muss einfach nur mal gedanklich an den Anfang der Entwicklung springen: Ein Virus, das durch Mutation auf den Menschen überspringt, ist tatsächlich “neuartig”. Das heißt, die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass niemand in der Bevölkerung dagegen immun ist. Es gibt kein Heilmittel und keine Impfung dafür. Selbst bei einer Gefährlichkeit, die geringer als beim normalen Grippe-Virus ausfällt, käme das Gesundheitssystem an seine Grenzen, wenn sich innerhalb kürzester Zeit Millionen Menschen infizieren. In den USA kann man diese Entwicklung gerade verfolgen. Und in einer Gesellschaft ohne irgendeine Immunität gegen das Virus und dem Übertragungsweg der Tröpfcheninfektion kann sich theoretisch ausnahmslos jeder leicht anstecken.

Jehovas Zeugen gehen ebenfalls immer wieder pseudowissenschaftlich vor. Das wohl bekannteste Beispiel ist die Berechnung des Jahres 1914. Diese enthielt vor 1914 einen Fehler, der offenbar nicht auffiel: C.T. Russell (Gründer der Zeugen Jehovas) ging bei der Bestimmung der “Zeiten der Nationen” von 606 v.u.Z. aus und rechnete 2520 Jahre weiter, wobei er das Jahr 0 mitzählte, obwohl es nicht existierte. Das fiel erst nach 1914 auf. Die Korrektur hätte die 2520 Jahre somit nun im Jahre 1915 enden lassen. Rückblickend war in diesem Jahr jedoch nichts Signifikantes geschehen (bspw. 1. Weltkrieg). Also behielt man das Jahr 1914 bei (ging also davon aus, dass die eigene Theorie richtig war) und verschob kurzerhand das Beginndatum von 606 v.u.Z. auf 607 v.u.Z. Ein Wissenschaftler wäre froh gewesen, dass seine “1914-Theorie” nun widerlegt gewesen wäre. Nicht so ein Pseudowissenschaftler. Die Zeugen gingen also in ihrer Methodik ebenfalls “falsch herum” vor und argumentierten aus Sicht ihrer bereits für richtig befundenen Jahreszahl 1914. Sie änderten die Konventionen, um ihre Lehre aufrechterhalten zu können und machten das Jahr 1914 einfach passend. Diese Vorgehensweise der Pseudowissenschaft nennt Karl Popper, berühmter Philosoph und wichtiger Impulsgeber in der Wissenschaftstheorie, konventionalistische Wendung. Wikipedia erklärt:

Das Umdefinieren von theoretischen Begriffen oder die Rettung von Beobachtungen durch Hilfshypothesen lehnt […] Popper als konventionalistische Wendung bzw. Immunisierungsstrategie ab.

Die Zeugen haben hier die gültige Konvention, dass sich nach Korrektur eines Fehlers nicht auch andere Dinge ändern dürfen (z.B. der Startpunkt der Berechnung), missachtet bzw. verworfen, um von einer vorgefassten Meinung nicht abweichen zu müssen, sich also immun gegen eine Änderung ihrer Glaubensüberzeugungen gemacht.

Wer bereits das Ergebnis im Hinterkopf hat und nach Indizien sucht, die diesen Glaubenssatz stützen, wird sie immer finden! Das bestärkt die Person natürlich in ihrer Ansicht noch mehr – ein Teufelskreis.

Pseudowissenschaftler, Verschwörungstheoretiker und Jehovas Zeugen vergessen zudem den wohl wichtigsten Aspekt an der wissenschaftlichen Arbeitsweise: die Falsifizierung.

Ein Polizist, der einen Tatort untersucht und diverse Indizien findet, die auf einen bestimmten Verdächtigen hindeuten, muss seine Vermutung sofort verwerfen, wenn er einen Hinweis findet, der seine These falsifiziert (z.B. dass der Verdächtige zur Tatzeit nachweislich an einem anderen Ort war). Damit kann der Ermittler den Kreis der infrage kommenden Personen eingrenzen und ist dem Mörder wieder einen Schritt nähergekommen.

Dieses Falsifizieren ist der Grund, warum sich die “offizielle“ (wissenschaftliche) Meinung zur Corona-Krise immer wieder ändert. Leider kann ein politischer Entscheidungsträger jeweils nur von den Informationen ausgehen, die er von wissenschaftlicher Seite gerade bekommt, was zugegebenermaßen zu Fehlentscheidungen führen kann.

Verschwörungstheoretiker und Pseudowissenschaftler liefern hingegen von Anfang an eine feststehende “Wahrheit”, die in wesentlichen Punkten nicht mehr geändert wird – ähnlich wie Jehovas Zeugen – und outen sich damit als Personen, deren Erkenntnisgewinn sich nicht der richtigen Methodik bedient. Bei der wissenschaftlichen Arbeitsweise ist hingegen häufig ein inkrementelles “Empor-Irren” festzustellen.

Das folgende Prinzip kann einem helfen, Verschwörungstheorien von plausiblen Erklärungen zu unterscheiden.

Ockhams Rasiermesser

Ockhams Rasiermesser ist ein altes Logik-Prinzip, das laut Wikipedia Folgendes bedeutet:

  • Von mehreren hinreichenden möglichen Erklärungen für ein und denselben Sachverhalt ist die einfachste Theorie allen anderen vorzuziehen.
  • Eine Theorie ist einfach, wenn sie möglichst wenige Variablen und Hypothesen enthält und wenn diese in klaren logischen Beziehungen zueinander stehen, aus denen der zu erklärende Sachverhalt logisch folgt.

Zur Veranschaulichung des Prinzips führt die Seite philolex.de dieses schöne Beispiel an:

Wenn wir bei stürmischem Wetter einen umgeknickten Baum sehen, dann ist die einfachste Erklärung die, dass der Wind den Baum geknickt hat. Es könnte aber auch ein Meteor oder ein Elefant gewesen sein. Aber Meteore und Elefanten sind selten (Elefanten jedenfalls in Europa). Es könnten auch gerade 200 Meter große außerirdische Wesen gelandet sein, die den Baum geknickt haben. Die Annahme setzt aber diverse andere Annahmen voraus. Die Existenz Außerirdischer, ihre Landung auf der Erde etc. Die Erklärung, dass der Wind den Baum geknickt hat, ist einfacher, naheliegender. Deshalb werden die komplizierteren Erklärungen mit Ockhams Rasiermesser weggeschnitten.

Die naheliegendste Möglichkeit, die am wenigsten Vorannahmen beinhaltet, ist also die wahrscheinlichste. Das bedeutet zwar nicht, dass auch mal kompliziertere Lösungen richtig sein können. Aber in der Regel ist das nicht so.

Auf das Corona-Virus angewandt, könnte man sagen:

Die Erklärung, dass ein Virus aus dem Tierreich zufällig mutierte und auf den Menschen übersprang (was man im Übrigen bereits oft beobachtet hat), erfordert keine weiteren Annahmen und wirft keine weiteren grundlegenden Fragen auf – ist also die naheliegendste Erklärung.

Wilhelm von Ockham war ein berühmter mittelalterlicher Philosoph und Theologe, der sich viel mit Logik beschäftigt hat.

Die Idee, dass das Virus jedoch zum Beispiel Teil eines weltweit orchestrierten Finanz-Coups sei, setzt unheimlich viele (unbewiesene) weitere Vorannahmen voraus und wirft diverse neue Fragen auf: Plötzlich sind unzählige Menschen involviert, die ein bestimmtes Ziel verfolgen und das alles geplant haben. Wie konnte das geheim gehalten werden? Wer hat das Virus gezüchtet? Warum sollte sich die Wirtschaft ins eigene Fleisch schneiden? Warum China zuerst? Ist ein unkontrollierter Ausbruch einer Krankheit überhaupt vorher so planbar, dass man das Risiko eingehen könnte?

Natürlich liefern Verschwörungstheoretiker ihre Antworten gleich mit und Ockhams Rasiermesser ist keine in jeder Situation zwingend korrekte Lösung. Zwar kann auch ein Elefant den Baum umgeknickt haben, aber es geht hier um Wahrscheinlichkeiten und man liegt eben einfach meist richtig, wenn man die naheliegendste Möglichkeit in Betracht zieht.

Ockhams metaphorisches “Rasiermesser”, das weniger naheliegende Erklärungen “wegschneidet”, hat die Wissenschaft sehr vorangebracht. Das Prinzip hat sich bewährt.

Wie gut diese Methode ist, zeigt sich auch bei einem weiteren Fehler, den nicht nur Verschwörungstheoretiker gerne machen, sondern jeder Mensch (natürlich auch die Zeugen Jehovas):

Post hoc ergo propter hoc oder das Problem mit der Kausalität

Der sogenannte Post-Hoc-Ergo-Propter-Hoc-Fehlschluss ist die Ursache von allerlei Aberglauben und Verschwörungstheorien. Kurz gesagt bedeutet er: “Es passierte danach, also wurde es dadurch verursacht.”

Natürlich gibt es Fälle, in denen ein Ereignis ein anderes auslöst (wie z.B. bei einer Kettenreaktion). Wenn jemand auf der Straße eine Pistole auf einen anderen richtet, abdrückt und derjenige kurz nach dem Knall umfällt, anschließend Polizei und Feuerwehr eintreffen usw. ist es naheliegend, dass die Ereignisse zusammenhängen. So offensichtlich ist das aber in vielen Situationen leider nicht. Der Mensch neigt trotzdem dazu, Zusammenhänge herzustellen.

Beispiel einer Kausalkette: Dominosteine

Ein Fußballer hatte seine pinkfarbenen Schuhe an, als die Mannschaft einen bravourösen Sieg einfuhr. Also zieht er sie beim nächsten Mal wieder an.

Ein emotional bewegendes Ereignis, das nicht alle Tage vorkommt, scheint den Menschen besonders “anfällig” dafür zu machen, sofort von Ursachen auszugehen, die den Zufall ausschließen (siehe hierzu “HADD” weiter unten). Und diese Ursachen werden fälschlicherweise häufig in Umständen gesucht, die zur gleichen Zeit oder am gleichen Ort bestanden oder in Dingen, die kurz zuvor passierten.

Jehovas Zeugen verfallen diesem Fehlschluss gerne im Zusammenhang mit Gebeten. Zum Beispiel wird immer wieder auf Fälle hingewiesen, in denen ein Wohnungsinhaber darum betete, die „Wahrheit“ zu finden. Noch am selben Tag klopften Jehovas Zeugen an seine Tür. Gewertet wird dies in der Regel als Eingriff der Engel, die die Zeugen zu der Person hingeführt haben. Zu behaupten, dies beweise, dass das Gebet erhört worden sei, ist ein Post-Hoc-Ergo-Propter-Hoc-Fehlschluss. Nur weil es danach passierte, muss es nicht dadurch ausgelöst worden sein.

Wenden wir einmal Ockhams Rasiermesser darauf an. Zur Debatte stehen zwei Annahmen:

  1. Es war reiner Zufall
  2. Es war ein Eingriff der Engel

Welche These ist naheliegender und braucht weniger Vorannahmen?

Jehovas Zeugen sind dafür bekannt, Milliarden von Stunden darauf zu verwenden, Menschen in ihren Wohnungen aufzusuchen. Es ist – statistisch gesehen – daher schon fast sicher, dass es irgendwo auf der Welt Fälle geben wird, in denen Personen nach einem Gebet wie dem oben beschriebenen am selben, nächsten oder übernächsten Tag Besuch von einem Zeugen Jehovas bekommen. Weitere Vorannahmen sind nicht nötig.

These zwei benötigt aber die Vorannahme, dass es einen Gott und Engel gibt. Dass diese in das Weltgeschehen eingreifen und überhaupt Interesse daran haben, einen Zeugen zu einem Wohnungsinhaber zu führen. Außerdem müssten die Zeugen Jehovas diejenigen sein, mit denen Gott handelt. All das sind durchweg unbewiesene Vorannahmen, die man bräuchte, um die Schlussfolgerung Nummer zwei zu ziehen.

Nach Ockhams Rasiermesser ist These eins somit viel eher wahr.

Interessant in diesem Zusammenhang ist, was Steven Hassan – ehemaliges Mitglied der Moon-Sekte und bekanntester Kult-Experte Amerikas – auf Seite 76 seines Buches “Ausbruch aus dem Bann der Sekten” über seine damalige Religion sagt:

Ich fand es immer wieder erstaunlich, wie viele Menschen […] uns erzählten, daß sie gerade zu Gott gebetet hätten, er möge ihnen zeigen, was sie nach seinem Willen mit ihrem Leben anfangen sollen. Viele glaubten, sie seien „spirituell“ geleitet worden, einem Mitglied zu begegnen. Wir mußten nur noch unsere „Zeugnisse“ mit ihnen teilen, um sie davon zu überzeugen, daß Gott sie zu uns geführt hatte. […] In der Tat betrachten sich viele Mitglieder als ´Menschenfischer´.

Hört man also im Zusammenhang mit der Corona-Krise Aussagen wie: “Es passierte kurz nach…, also…”, sollte man vorsichtig werden. Ockhams Rasiermesser kann einem dann helfen, tatsächlich kausale Zusammenhänge von einer einfachen Korrelation zu unterscheiden.

Die Verwechslung von Korrelation und Kausalität ist ein Klassiker unter den logischen Fehlleistungen.

Korrelation besagt, dass zwei Ereignisse gleichzeitig auftreten, aber nichts miteinander zu tun haben. Kausalität hingegen bedeutet, dass eines der Ereignisse das andere verursacht hat.

So gibt es zum Beispiel das Argument: “Worin ähneln sich China und Norditalien? Sie haben die größte Luftverschmutzung der Welt! Die Lungen der Patienten sind viel stärker vorbelastet. Deswegen ist die Sterberate dort so hoch und nicht wegen der Gefährlichkeit des Virus.”

Man muss sich hier jedoch fragen, ob es wirklich einen kausalen Zusammenhang gibt oder ob nur eine Korrelation besteht. Es ist nachvollziehbar, dass eine hohe Luftverschmutzung die Lungen stärker belastet. Allerdings zeigen die Zahlen aus Ländern mit wenig Luftverschmutzung, dass die Sterberate viel höher als in Italien sein kann. Frankreich zum Beispiel hat mit Stand Ende April eine deutlich höhere Sterberate als Italien und eine vergleichsweise geringe Luftverschmutzung. Die obige These, das Virus sei eher harmlos und die Luftverschmutzung sei der Hauptschuldige, wurde somit bereits falsifiziert.

Ein anderes Argument, welches man häufig hört, ist dieses:

Der Tiermarkt von Wuhan liegt direkt neben dem Institut für Virologie. Also ist das Virus dort ausgebrochen oder wurde sogar bewusst auf dem Tiermarkt freigesetzt!

Auch hier entsteht wieder die Frage: Handelt es sich um einen Post-Hoc-Ergo-Propter-Hoc-Fehlschluss? Liegt eine Kausalität oder nur eine Korrelation vor?

Ich überlasse es an dieser Stelle jedem Leser selbst, Ockhams Rasiermesser auf das genannte Argument anzuwenden.

Manchmal hilft auch die Frage: “Was würde es bedeuten, wenn es wirklich so wäre?”

Welcher Verschwörer wäre so dumm, die bewusste Entwicklung eines Virus dadurch verschleiern zu wollen, dass er es auf einem Tiermarkt aussetzt, der direkt neben dem Institut für Virologie liegt, welches das Virus entwickelt hat? China hätte mit Sicherheit diverse andere Tiermärkte zu bieten gehabt – weitab jeglicher Labore.

Natürlich ist nicht ausgeschlossen, dass das Virus versehentlich aus dem Labor entkommen konnte und dann in der Nähe die ersten Infektionen auslöste. Allerdings ist auch das gegenüber der These des Überspringens vom Tier auf den Menschen durch Mutation eher unwahrscheinlich.

Auch wenn meist eine Kausalität angenommen wird, wo nur eine Korrelation besteht, kann leicht ein umgekehrter Fehler gemacht werden: Dass nämlich von einer Korrelation ausgegangen wird, obwohl eine eindeutige Kausalität besteht.

Ein Artikel im Spiegel enthielt folgende Aussage:

Die derzeitige Situation in Deutschland beschrieb Drosten als „Präventionsparadox“: Mit frühzeitigen Maßnahmen und umfangreichen Corona-Tests habe man die Ausbreitung des Virus hierzulande erfolgreich eingedämmt. Aber jetzt werde der im internationalen Vergleich milde Pandemie-Verlauf irrtümlich als Argument dafür genutzt, die Maßnahmen rückblickend als übertrieben zu bewerten. „Die Menschen behaupten, wir hätten überreagiert“, sagte Drosten. Dabei sei Deutschland gerade wegen der ergriffenen Maßnahmen bislang glimpflich davongekommen.

Der kausale Zusammenhang zwischen der Kontaktdichte und -intensität von Menschen und der Verbreitung von ansteckenden Krankheiten sollte wohl für jeden offensichtlich sein. Einzusehen, dass die Ansteckungsrate reduziert wird, wenn die Kontakte eingeschränkt werden, erfordert somit ebenfalls nicht viel Gehirnschmalz. Es ist daher völlig abwegig zu glauben, der bis jetzt glimpfliche Verlauf der Epidemie in Deutschland wäre auch ohne (strenge) Maßnahmen zustande gekommen – hätte mit diesen also lediglich zufällig korreliert.

Den gleichen Fehler begeht derjenige, der argumentiert: „Die leeren Krankenhausflure beweisen, dass das Virus harmlos ist und die Maßnahmen völlig überzogen waren.“ Natürlich sind die Krankenhausflure gerade deswegen leer, weil die Maßnahmen ihre Wirkung entfalten konnten.

Ein weiteres mit der Kausalität in Zusammenhang stehendes Problem ist die Frage, die sich alle Verschwörungstheoretiker zuerst stellen: Wer profitiert?

Im Zusammenhang mit der Corona-Problematik werden gerne die Profiteure der Krise als Verursacher genannt. Aber macht so etwas überhaupt Sinn?

Betrachten wir ein einfaches Beispiel:

Es tobt ein starker Sturm. Am nächsten Tag wird ein Haus gefunden, dessen Dach abgedeckt ist. Ein Verschwörungstheoretiker würde fragen: Wer profitiert? Und käme recht schnell auf die Dachdeckerfirma, die in der Folge den Auftrag erhält, das Dach neu zu decken. Somit hat nicht der Sturm das Dach abgedeckt, sondern die besagte Dachdeckerfirma heimlich einen Sprengsatz angebracht und ihn bewusst mitten im Sturm gezündet, um ihr Tun zu verschleiern.

Auch wenn diese Annahme theoretisch richtig sein kann, muss man sich doch wieder fragen: Welche Version der Geschichte ist wahrscheinlicher? Diejenige natürlich, die gemäß Ockhams Rasiermesser mit den wenigsten Vorannahmen und Variablen auskommt. Welche das ist, liegt auf der Hand. Und hierbei handelt es sich um einen relativ simplen Sachverhalt, der ggf. für die Dachdeckerfirma sogar noch kontrollierbar gewesen wäre. Eine weltweite Verschwörung in der Corona-Krise wäre für die Profiteure so wenig kontrollierbar, dass diese These vollständig ausscheidet (nicht jedoch für einen Verschwörungstheoretiker, der davon ausgeht, dass alles zusammenhängt).

Die zeitlich logisch ablaufende Begründungskette (1) und die des Verschwörungstheoretikers (2) sehen so aus:

  1. Sturm wütet > deckt das Dach ab > Dachdeckerfirma wird beauftragt (und profitiert zufällig)
  2. Dach ist kaputt > wer profitiert? > Dachdeckerfirma wird identifizert > hat also die Zerstörung unter Ausnutzung des Sturms verursacht > profitiert davon

Auch eine andere Behauptung stützt sich auf den Post-Hoc-Ergo-Propter-Hoc-Fehlschluss:

Die Vorstellung, dass das derzeitige Finanzsystem ohnehin kurz vor seinem Zusammenbruch stand und das Corona-Virus eingesetzt wurde, um zu verschleiern, dass der Zusammenbruch auf bestimmte einflussreiche Elemente in diesem System zurückzuführen ist.

Es mag sein – das kann ich nicht beurteilen – dass die Wirtschaft ohnehin vor einer starken Rezession stand. Ein zufällig auftretendes, also lediglich korrelierendes, Ereignis wie der Virusausbruch wird anschließend jedoch von Verschwörungstheoretikern instrumentalisiert und als Methode eines im Hintergrund agierenden Akteurs identifiziert. Auch hier sind wir wieder im Bereich der Wahrscheinlichkeiten. Wenn man sich vor Augen hält, dass nahezu JEDES zufällige Ereignis mit anderen zeitlich zusammenfallenden Umständen in Verbindung gebracht werden kann, wird einem klar, dass hier eine Korrelation zwischen dem Auftreten des Virus und der bevorstehenden Rezession WESENTLICH wahrscheinlicher ist, als eine Verschleierungsaktion (vor allem, wenn erneut Ockhams Rasiermesser angewendet wird). Außerdem sollte man sich vor Augen halten, dass in einer Krise immer irgendjemand profitiert. Mich hätte daher nicht gewundert, wenn jemand die Klopapier-Hersteller als Übeltäter ausgemacht hätte…

Warum aber ist die Frage “Wer profitiert?” und die Vorstellung von planenden Akteuren hinter den Kulissen zur Erklärung welterschütternder Ereignisse so reizvoll?

Hyperactive Agency Detection Device (HADD)

Wer kennt das nicht? An einem heißen Sommertag ist man draußen unterwegs und plötzlich hat man das Gefühl, dass ein (möglicherweise stechendes) Insekt über das Gesicht krabbelt. Man schlägt wild um sich, nur um anschließend festzustellen, dass es ein Schweißtropfen war, der sich auf der eigenen Visage selbständig gemacht hatte.

In diesem Moment ist man der sogenannten Überwahrnehmung von Wesenhaftigkeit (Hyperactive Agency Detection) zum Opfer gefallen, einer weiteren kognitiven Verzerrung, die den Menschen veranlasst, hinter bestimmten Phänomenen sofort einen Akteur zu vermuten. Diese “Alarmanlage” im Kopf, von dem Psychologen Justin L. Barrett, der sich mit dem Phänomen wissenschaftlich beschäftigt hat, auch als “Gerät” (Device) bezeichnet, schlägt u.a. immer dann an, wenn man ein sich bewegendes Objekt wahrnimmt und einem nicht genug oder widersprüchliche Informationen dazu vorliegen. Das menschliche Gehirn weist dem Objekt schon fast reflexartig entweder einen eigenen Willen zu, der es agieren lässt (“es lebt!”) oder ein das Objekt steuerndes Lebewesen im Hintergrund. Leider reagiert die „Alarmanlage“ (wie das obige Beispiel zeigt) oft hyperaktiv und schlägt ohne triftigen Grund an. Es ist nachvollziehbar, dass diese Gehirnfunktion evolutionäre Vorteile hatte. Bei einem Rascheln im Gebüsch war es für das Überleben besser, Energie zu verbrauchen und die Beine ggf. umsonst (“Es war nur der Wind!”) in die Hand zu nehmen als zunächst von einem Luftzug auszugehen und sich Sekunden später im Magen eines Säbelzahntigers wiederzufinden.

Wem ein niedlicher mit kindlicher Stimme sprechender Roboter, der Kunststücke vorführt, leidtut, wenn er von einem Menschen mit einem Hammer zertrümmert wird und dann für immer verstummt, weiß nun auch, woher seine Gefühle stammen. Man kann sich dieser Reaktion kaum entziehen, selbst wenn man sich vergegenwärtigt, dass man es nur mit einem Haufen Blech, Schrauben, Drähten und Mikroprozessoren zu tun hat.

Auch in anderen Situationen, die das eigene Gehirn in Alarmbereitschaft versetzen (“Ich könnte von einem Virus zu Tode gebracht werden!”) und in denen unklare oder fehlende Informationen vorherrschen, neigt man als Mensch dazu, dieser Verzerrung zu verfallen und sofort planende “Strippenzieher” hinter allem zu vermuten. Einen handelnden Akteur hinter den Kulissen kann sich jeder gut vorstellen. Er gibt der Situation Sinn und eine gewisse Kontrollierbarkeit (“Wenn ich nicht auf die Angstmache des Akteurs hereinfalle, kann mir nichts passieren!”). Angstreduktion und Vermeidung von Kontrollverlust sind hier die Stichwörter.

Sich mit einer nicht kontrollierbaren, gefährlichen Situation abzufinden, die darüber hinaus auch Experten noch teilweise vor Rätsel stellt, ist bedeutend schwieriger. Vor allem, wenn der Ausgang ungewiss ist. Wenn der Pilot in einem abstürzenden Flugzeug die Durchsage macht: “Der Fehler wurde gefunden. Es ist XY. Ich werde Z versuchen!”, dann ist das beruhigender als wenn es tönt: “Die Triebwerke sind einfach ausgefallen! Ich weiß auch nicht, warum! Theoretisch müsste alles funktionieren!”

Verschwörungstheorien geben eine ähnliche Sicherheit, da die Situation nun scheinbar versteh- und handhabbar wird (siehe auch Kohärenzgefühl).

Eine Parallele findet man bei Fragen im Zusammenhang mit Jehovas Zeugen und Religion im Allgemeinen: “Warum sterben wir? Was geschieht nach dem Tod? Wie sieht die Zukunft aus? Wer ist für die schlimmen Weltverhältnisse verantwortlich?”

Sich im Hintergrund handelnde Akteure namens Jehova und Satan vorzustellen, die einem das Gefühl geben, dass alles gut wird, einen Sinn hat, man nun genau wisse, was WIRKLICH die Gründe für die Probleme der Menschheit seien und was die Zukunft bringe, gibt nicht nur Kultmitgliedern ein beruhigendes Gefühl der Sicherheit.

Ist es aber nicht ok, wenn man dieses Gefühl erzeugt – selbst wenn die Gründe nicht real sind? Ja, wenn es bei dem Gefühl bliebe. Leider resultiert jedoch aus einer bestimmten Weltsicht immer ein bestimmtes Handeln, welches schnell kontraproduktiv werden kann. Wer glaubt, das Virus sei in Wirklichkeit ganz harmlos, wird es vermutlich mit Sicherheitsmaßnahmen nicht so genau nehmen – wodurch er sich und andere gefährdet.

Das Buch “Bedienungsanleitung für deinen Verstand, kritisch denken in einer Welt voller Halbwissen” sagt zum Thema HADD:

HADD erkennt aber noch mehr als nur Bewegung: Sie nimmt in ansonsten zusammenhanglosen Ereignissen Muster war, Details, die sich nicht ohne Weiteres erklären lassen, oder Wirkungen, die in keinem Verhältnis zur vermeintlichen Ursache stehen. Wird HADD ausgelöst, neigen wir dazu, einen Strippenzieher hinter den Kulissen zu wittern, der dafür sorgt, dass die Dinge so ablaufen wie sie es tun, und der möglicherweise vorsätzlich jeden Hinweis auf sich selbst vertuscht. Sobald wir einen Akteur ausgemacht haben, spricht uns das auf ganz urtümliche Art und Weise an. Bei manchen ufert das zu einem überwältigenden Eindruck aus, der alle anderen Gedankenprozesse überschreibt. Solche Menschen werden als Verschwörungstheoretiker bezeichnet. Doch ein kleiner Verschwörungstheoretiker steckt in jedem von uns. Studien haben gezeigt, dass HADD zum Tragen kommt, wenn ein Reiz nicht eindeutig ist. Aus diesem Grund gehen wir standardmäßig davon aus, dass ein Objekt ein Akteur ist. Erst wenn eindeutige Beweise vorliegen, ändern wir unsere Meinung und sprechen von einem Objekt. HADD ist außerdem wahrscheinlicher, wenn wir eine Situation nicht kontrollieren können (was wiederum Aberglauben befördert). Berrit und andere mutmaßen, dass HADD eine wichtige Rolle dabei spielt, ob jemand gläubig ist oder nicht – Gott ist der ultimative unsichtbare Akteur. Bislang wurde diese Hypothese noch nicht ausreichend erforscht, aber mir erscheint sie plausibel. Natürliche oder zufällige Ereignisse als den Willen eines Akteurs anzusehen, ist nichts anderes als HADD.

Wenn es darum geht, die Corona-Krise zu analysieren, sollte einem dieser Mechanismus bewusst sein. Es ist in den Genen des Menschen angelegt, hinter besonderen Ereignissen einen planenden Akteur zu sehen. Daher ist es so reizvoll, Verschwörungstheorien Glauben zu schenken. Vermutlich dienen sie auch der emotionalen Befriedigung, den Schuldigen endlich gefunden zu haben – vor allem, wenn man selbst unter den ergriffenen Maßnahmen in irgendeiner Weise leidet.

Die mentale Kraft hingegen, fehlende Informationen zu ertragen, Widersprüchlichkeiten oder pures Nichtwissen bzw. fehlende Antworten zu akzeptieren, kann nicht jeder aufbringen, ist jedoch in diesen Zeiten wichtiger denn je. Auch die großen Fragen des Lebens können vielleicht einmal beantwortet werden. Bis dahin muss man sich jedoch gedulden und sollte keinen religiösen Verschwörungstheorien auf den Leim gehen.

Im Gegensatz zu der Vorstellung der Verschwörungstheoretiker, nichts passiere zufällig, passiert leider sehr viel zufällig, ohne Sinn oder planenden Akteur. Korrekt wäre somit das Eingeständnis: Wir haben auf viele Fragen rund um die Corona-Krise einfach noch keine Antworten! WEIL die Realität nun mal nicht schwarz oder weiß, sondern grau ist, übersteigt die Komplexität den menschlichen Verstand und muss mühsam im Laufe langer Zeiträume erforscht werden.

Allerdings kann auch aus Nichtwissen ein logischer Fehlschluss erwachsen:

Das Argument aus Unwissenheit

Zum sogenannten argumentum ad ignorantiam (Argument aus Unwissenheit) sagt Wikipedia:

Das grundlegende Schema ist dabei: das Fehlen von Evidenz für eine Behauptung wird als Beweis dafür betrachtet, dass stattdessen eine andere Behauptung wahr ist […]. Dies ist keine gültige Schlussweise im Sinne der formalen Logik.

Auf Corona bezogen lautet ein häufig angeführtes Argument: “Es konnte noch nicht empirisch nachgewiesen werden, dass das Corona-Virus wirklich tödlicher als eine normale Grippe ist, somit ist es harmlos und die Angstmache in den Medien nur ein Hype.” Das mag zwar beruhigend klingen, ist aber leider der o.g. logische Fehlschluss.

Ein Zeuge Jehovas verwendet dieses Argument gerne, wenn unerklärliche Vorkommnisse in seiner Wohnung auftreten: “Ich kann mir nicht erklären, was das für Geräusche letzte Nacht waren. Also muss ein Dämon am Werk gewesen sein.” Ein hektisches Suchen nach dem Gegenstand, der zuvor möglicherweise im Besitz eines Spiritisten war, ist die Folge.

In Bezug auf die Corona-Epidemie macht das Gegenteil viel mehr Sinn:

Man kann die temporäre Unwissenheit und Ratlosigkeit oder auch Widersprüchlichkeit bei Experten als Indiz werten, dass das Virus wirklich neuartig und unerforscht ist. Denn genau das wäre zu erwarten, wenn ein bisher unbekannter Krankheitserreger erstmalig vom Tier auf den Menschen überspringt.

Das Argument der schiefen Ebene

Ein Argument, das sehr gerne von Verschwörungstheoretikern gebraucht wird, ist mir letztens begegnet. Es lautete sinngemäß wie folgt: “Erst wird das Grundgesetz außer Kraft gesetzt, indem die Freiheitsrechte eingeschränkt werden, dann überwacht die Polizei mit Drohnen die Einhaltung der Beschränkungen. Als nächstes werden sie auf Menschen schießen und schon leben wir in einer Diktatur wie unter Hitler.”

Diesen logischen Fehlschluss nennt man Argument der schiefen Ebene.

Nun könnte der Verfechter einer Verschwörungstheorie einem entgegenhalten, dass jemand, der der “Version” der Mainstream-Medien glaubt, ebenfalls ein solches Argument bringt: “Sobald ein Ansteckungsfall auftaucht, müssen umgehend Maßnahmen ergriffen werden, denn diese Person steckt drei weitere an und diese dann neun usw. Ganz schnell sind es Hunderttausende und schon bricht das Gesundheitssystem zusammen und nach einiger Zeit gibt es sogar Millionen Tote.”

In ihrer Form ähneln sich beide Argumente zugegebenermaßen. Beim Argument der schiefen Ebene handelt es sich jedoch nur dann um einen Fehlschluss, wenn die Kausalität zwischen mindestens zwei der aufgeführten Punkte nicht gegeben oder extrem unwahrscheinlich ist.

Wenn ich sage: “Erst wird die Zündschnur der Bombe angezündet, dann detoniert der Sprengkörper in einer Menschenmenge, dann haben wir viele Tote und eine Massenpanik.”, ist dieser Ablauf mehr oder weniger zwingend vorgezeichnet und kein Fehlschluss.

Im obigen Argument der Verschwörungstheoretiker fehlt jedoch die Kausalität zwischen dem Überwachen der Einhaltung der Corona-Maßnahmen, die dem Schutz der Bevölkerung dienen, und dem Schießen auf Menschen und natürlich erst recht der kausale Zusammenhang zwischen den Schüssen und einer Diktatur, die plötzlich entstehen soll.

Im Gegensatz dazu liegen die kausalen Zusammenhänge zwischen einer exponentiellen Ausbreitung eines tödlichen Krankheitserregers ohne Gegenmaßnahmen und Millionen von Toten auf der Hand (siehe auch Spanische Grippe).

Zwischen Galileo-Gambit und Popularitätsargument

In der öffentlichen Diskussion zum Thema Corona begegnet einem oft die sinngemäße Aussage: “In den Mainstream-Medien hörst Du sowieso nicht die Wahrheit. Galileo haben sie auch ausgelacht und er hatte am Ende recht, obwohl seine Ansichten nicht der damals vorherrschenden Meinung entsprachen!”

Galileo Galilei vor der Inquisition im Vatikan 1632

Hiermit soll zum Ausdruck gebracht werden, dass es unvernünftig sei, der (dummen oder schlafenden) Masse bzw. der allgemein akzeptierten Meinung zu folgen. Es wird auf Galileo verwiesen, der sich zu seinen Lebzeiten auch gegen die damals herrschende Vorstellung der Existenz eines geozentrischen Weltbilds gestellt und damit recht behalten hatte. Wie das Beispiel zeigt, ist es durchaus vernünftig, die Meinung der Masse kritisch zu untersuchen.

An dieser Stelle möchte ich erneut betonen, dass die Realität meist grau und nicht schwarz-weiß ist. Natürlich kann auch die Masse mal Unrecht haben, aber es ist falsch, eine Ansicht zu verurteilen, NUR WEIL SIE DIE VORHERRSCHENDE MEINUNG DARSTELLT. Die Masse liegt durchaus häufig richtig (nicht umsonst spricht man von Schwarmintelligenz) und Einzelpersonen mit abweichender Meinung liegen nicht selten falsch. Noch wahrscheinlicher ist jedoch, dass die Masse in einigen wenigen Punkten tatsächlich nicht komplett richtig liegt und stattdessen Einzelpersonen möglicherweise in Details recht haben.

Es ist jedenfalls immer problematisch, den Wahrheitsgehalt einer Behauptung daran zu messen, wer sie aufstellt. Solche genetischen Fehlschlüsse kommen in Verschwörungstheorien häufig vor (sowohl in die eine als auch andere Richtung). Hier einige Beispiele:

Der langjährige und verdienstvolle Arzt XY sagt aber, dass die vorherrschende Meinung falsch sei!

Nur weil er lange Zeit Arzt war und viel Positives bewirkt hat, heißt das nicht, dass er immer rational denkt. Auf die Aussagen von Experten zu verweisen, ist zwar nicht verkehrt, um seine Argumentation zu stützen (sofern diese Experten Expertise auf dem fraglichen Gebiet haben), aber auch hier muss man fragen, wie sie auf ihre Ergebnisse gekommen sind. War die Methode fehlerhaft, sind ihre Aussagen mit Vorsicht zu genießen.

Das wurde von einem öffentlich-rechtlichen Sender behauptet. Wir wissen ja, was wir davon zu halten haben.

Ob ein Sender öffentlich-rechtlich ist oder nicht, hat nichts mit den dort getätigten Aussagen zu tun, die von Fall zu Fall neu auf ihren Wahrheitsgehalt hin untersucht werden müssen.

Der Ehemann von XY arbeitet in der Pharmaindustrie. Es ist klar, dass XY dann diese Aussage macht!

Ist es nicht. Die Aussage muss unabhängig vom Beruf des Partners der betreffenden Person analysiert werden.

Der YouTube-Kanal von XY wird von der ARD finanziert. Man kann XY also nicht trauen.

Auch hier gilt: Gehirn einschalten und die Aussage kritisch beleuchten. Ist sie naheliegend und resultiert sie aus logisch fehlerfreier Argumentation, wird sie höchstwahrscheinlich der Wahrheit entsprechen.

Es kommt also nicht darauf an, wer etwas sagt, sondern was er sagt und ob das logisch einwandfrei ist und alle gesicherten Fakten berücksichtigt.

Wer behauptet, eine bestimmte Aussage sei korrekt, weil das nun mal die meisten Leute glaubten, begeht ebenfalls einen genetischen Fehlschluss – ein argumentum ad populum, einen Popularitätsfehlschluss (X ist populär. Also ist X richtig).

Wer hingegen meint, eine Behauptung sei deswegen korrekt, weil sie von jemandem stamme, der sich wie Galileo gegen die vorherrschende Meinung stemme (und dafür ggf. sogar verfolgt werde), ist dem Galileo-Gambit auf den Leim gegangen.

Das englische RationalWiki sagt dazu (Übersetzung von mir):

Das Galileo-Gambit (oder auch Galileo-Fehlschluss) ist ein logischer Fehler, der behauptet, dass jemand recht haben muss, wenn seine Ideen das Establishment provozieren und er dafür angefeindet oder bedroht wird – „jeder sagt, ich läge falsch, also habe ich recht!

Dieses Argument hört man oft unter Verschwörungstheoretikern: “Mein YouTube-Video wurde gesperrt! Daran sieht man ja ganz deutlich, dass die Wahrheit vertuscht werden soll!”

Der Grund für die Sperrung von Videos ist noch immer der Verstoß gegen die Nutzungsbedingungen von YouTube – und keine Verschwörung.

Hinterfragen ist nicht gleich Hinterfragen

Ich habe letztens das Argument gehört: “Wenn Du nicht alles hinnehmen, sondern mehr hinterfragen würdest, würdest Du erkennen, dass die “offizielle” Version zur Corona-Krise nicht stimmt.” Diese Ansicht verbreiten auch viele Verschwörungsvideos auf Youtube.

Interessanterweise resultiert die Aussage aus einer weiteren konventionalistischen Wendung, nämlich aus einer Umdefinierung des Wortes “hinterfragen”.

Offiziell bedeutet es “nach den Hintergründen, Voraussetzungen, Grundlagen von etwas fragen”. Verschwörungstheoretiker bevorzugen jedoch die Definition: “Die offizielle Version einer Geschichte nicht glauben, sondern nach einer anderen Erklärung suchen.”

Der entscheidende Unterschied liegt darin, dass das Hinterfragen im herkömmlichen Sinne ergebnisoffen ist und dazu führen kann, dass sich die “offizielle” Version einer Geschichte als korrekt herausstellt (was sie im Hinblick auf die Corona-Krise auch ist). In der verschwörungstheoretischen Definition wird aber bereits vorausgesetzt, dass die offizielle Version falsch ist und es nur noch um die Suche nach der “verborgenen” Wahrheit geht.

Übrigens ist das eine bemerkenswerte Parallele zu der Umdefinierung des Wortes “prüfen” bei den Zeugen Jehovas. Während die herkömmliche Definition dieses Wortes “einen Sachverhalt, ein Schriftstück im Hinblick auf die Richtigkeit, Akzeptabilität kontrollieren” bedeutet, haben Jehovas Zeugen daraus “einen Sachverhalt, ein Schriftstück im Hinblick auf die Richtigkeit, Akzeptabilität anhand der Literatur der Wachtturm-Gesellschaft kontrollieren” gemacht. Das bedeutet, dass der Glaubenssatz, dass Jehovas Zeugen die Wahrheit haben, bereits in der Definition enthalten ist. Und das ist wiederum unzulässig und typisch pseudowissenschaftlich.

Konsistenz

Ein Hilfsmittel, um Verschwörungstheorien zu entlarven, ist das der Konsistenz bzw. Widerspruchsfreiheit. Es ist eng mit Ockhams Rasiermesser verwandt.

Man fragt sich hierbei, ob sich die vorgetragene These nahtlos in bereits vorhandenes sicheres Wissen einfügt oder diesem teilweise widerspricht. Tut sie Letzteres, wäre sie nicht mehr die naheliegendste Vermutung, weil mehr Vorannahmen getroffen werden müssten (z.B. müsste geklärt werden, warum das als sicher eingestufte bisherige Wissen nun doch vielleicht falsch ist).

Die weiter oben bereits erwähnte Befürchtung, die Grundrechte sollen abgeschafft und eine Diktatur aufgerichtet werden, ist ein Paradebeispiel für eine inkonsistente Vorstellung, die sich gar nicht in bereits bekannte Fakten einfügt. In den 70 Jahren des Bestehens der Bundesrepublik Deutschland hat noch keine Regierung auch nur ansatzweise Anstalten gemacht, in diese Richtung zu arbeiten. Auch ist nicht nachvollziehbar, warum das jemand tun sollte. Besonders in Deutschland wurde immer strikt auf die Einhaltung der Grundrechte geachtet, so dass vollkommen klar ist, dass die derzeitigen Maßnahmen nur der Eindämmung der Epidemie dienen, denn diese Vorstellung fügt sich konsistent in sicheres Wissen ein.

Statistischer „Analphabetismus“

Das menschliche Gehirn ist ziemlich unfähig, wenn es um die korrekte Erfassung statistischer Zusammenhänge geht. Dieser Fakt wird noch verschlimmert, wenn jemand seine Urteile auf der Grundlage unvollständiger Informationen fällt. Schauen wir uns ein Beispiel für das letztgenannte Problem an:

Schweden geht bekanntermaßen einen Sonderweg in der Krise: es gibt nur wenig Einschränkungen – meist Verhaltensempfehlungen usw. Dementsprechend überfüllt sind die Fußgängerzonen, Restaurants und Cafés bei schönem Wetter.

Dort wurde eine Passantin gefragt, wie sie die Maßnahmen gegen das Coronavirus in Schweden und Deutschland im Vergleich beurteilen würde. Sie entgegnete, dass die Infiziertenzahlen in Schweden bisher nicht so stark gestiegen seien, wie man ohne Maßnahmen erwartet hätte. Das ließe sie zu dem Ergebnis kommen, dass Schweden wie Deutschland ganz gut mit der Epidemie umgehe.

Leider ist die Frau von der falschen Annahme ausgegangen, man könne die Zahlen zwischen Schweden und Deutschland vergleichen. Dies ist nämlich nicht der Fall. Dem kritischen Denker müsste bereits ohne weitere Informationen auffallen, dass Schweden enorm viele Tote im Verhältnis zu Infizierten hat (über 12%, Stand: Ende April).

Wer kritisch denkt, wird sich nun u.a. ansehen, welche Teststrategie die Schweden verfolgen. Wenn man das tut, stößt man recht schnell in einem Wikipedia-Artikel auf folgende Angabe:

Ab dem 12. März 2020 wurde die nationale Teststrategie nur auf Ältere, Schwerkranke und medizinisches Personal angewendet.

Mit anderen Worten:

Alle jüngeren Infizierten, die zwar eindeutige Corona-Symptome haben, aber keinen schweren Verlauf, werden gar nicht getestet. Die tatsächliche Infiziertenzahl liegt also bedeutend höher. Wer das nicht weiß, stuft die Strategie der Schweden als positiv ein. In Wirklichkeit dürfte die Zahl der Infizierten im Gegensatz zu Deutschland ausufern.

Folgendes Zitat stammt von dem US-amerikanischen Physiker Albert Allen Bartlett:

Die größte Schwäche der Menschheit ist ihre Unfähigkeit, die Exponentialfunktion zu verstehen.

Dieser Aussage muss ich leider zustimmen. Jeden Tag fällt mir das auf – auch in der Corona-Krise. Diverse Regierungen – allen voran die USA – haben das Virus anfangs nicht ernstgenommen, weil die Fallzahlen gering waren. Exponentielles Wachstum hat aber gerade die Eigenschaft einer anfänglichen trügerischen Phase scheinbar geringen Wachstums, gefolgt von einer “Explosion” der Zahlen. Bei der derzeit für das Corona-Virus angenommenen Basisreproduktionszahl R0 von ca. 2,5 wären alle 83 Millionen Deutschen ohne Maßnahmen und bei vollständig fehlender Immunität der Bevölkerung rechnerisch nach etwa 3 Wochen infiziert. Selbst wenn das Corona-Virus nur halb so tödlich wie die normale Grippe wäre (tatsächlich ist es nach derzeitigen Erkenntnissen deutlich tödlicher), hieße das, dass man innerhalb EINES Monats schon mit einer knappen halben Million Toten rechnen müsste.

Außerdem ist es extrem wichtig, dass Maßnahmen möglichst frühzeitig im exponentiellen Verlauf getroffen werden, da die Ausbreitung so wesentlich schneller unter Kontrolle gebracht werden kann. Ist man zu spät dran, kommt es zu untragbaren Zuständen – wie es in New York der Fall war, wo man noch immer Schwierigkeiten hat, die ganzen Leichen zu entsorgen.

Es ist vollkommen unverständlich, wie man auf die Idee kommen kann, dass das Virus harmlos sei. Immerhin muss man sich nur die Verläufe in Ländern wie Italien, Spanien oder den USA ansehen. In letzter Zeit wird mancherorts sogar eine Übersterblichkeit festgestellt, die nicht alleine auf die offiziellen Corona-Infizierten zurückzuführen sein kann. Das legt den Schluss nahe, dass viele Menschen unerkannt an dem Virus gestorben sind, weil sie nicht ins Krankenhaus eingeliefert wurden und vorher bereits zu Hause verstarben. Da Tests an Toten meist nicht durchgeführt werden, gingen diese Infektionen in der Regel nicht in die Statistik ein.

Gerne führen Verschwörungstheoretiker das Argument ins Feld, dass die Sterblichkeit viel geringer sei, weil auch diejenigen getesteten Personen gezählt würden, die nicht nur an, sondern mit dem Virus gestorben seien. Dieses Argument ist jedoch vollkommen irrelevant, da es schließlich nicht so sehr um die Gefährlichkeit des Virus geht, sondern viel mehr um die Anzahl der auf den Intensivstationen in einer bestimmten Zeiteinheit gleichzeitig behandlungsbedürftigen Patienten. Ob diese nun mit dem Virus oder durch das Virus in Lebensgefahr schweben, ist dabei natürlich egal. Behandelt werden müssen alle, was das Gesundheitssystem überlasten kann. Dass das in einigen Ländern bereits geschehen ist, zeigt die Anwendung der Triage in Italien, Spanien und Frankreich. Es handelt sich hier nicht um Prognosen oder Vermutungen, sondern bereits um bittere Realität.

Selbst Jehovas Zeugen geben zu, dass bis zum 30.04.2020 bereits 872 Glaubensbrüder weltweit an den Folgen von Covid-19 verstorben sind.

Häufig werden Einzelfälle angeführt, um so die Maßnahmen oder die “offizielle” Sterberate zu diskreditieren.

  • “XY hat aufgrund der wochenlangen Isolation in seiner Wohnung Selbstmord begangen. Also sind die von der Regierung beschlossenen Maßnahmen grundverkehrt!”
  • “Es gibt Personen, die durch einen Unfall lebensgefährlich verletzt werden und im Krankenhaus im Rahmen der Standarduntersuchungen positiv auf Covid-19 getestet werden. Wenn diese Menschen dann an ihren Verletzungen sterben, gehen sie mit in die Corona-Sterberate ein.”

Hierbei handelt es sich um unzulässige Verallgemeinerungen. Man nennt den Fehlschluss auch Statistik der kleinen Zahlen. Diese Bezeichnung macht die Sache etwas deutlicher:

  • Sample S wird aus der Population P entnommen.
  • Sample S ist ein sehr kleiner Teil der Population P.
  • Schlussfolgerung C wird aus dem Sample S gezogen.

Das Problem an obigen Argumenten ist, dass sie nicht repräsentativ für den fraglichen Sachverhalt sind. Natürlich wird es in Einzelfällen vorkommen, dass jemand wegen der Isolation Selbstmord begeht. Gleichzeitig werden durch die Maßnahmen aber Tausende andere Leben gerettet. Dieser Fakt scheint immer wieder gerne komplett übersehen zu werden.

Natürlich wird es auch Fälle geben, in denen Personen, die einen Unfall hatten und an den Verletzungen starben, mit dem Corona-Virus infiziert waren und daher in die Todesstatistik des Erregers eingehen. Solche Einzelfälle fallen jedoch nicht ins Gewicht, wenn gleichzeitig die überwiegende Mehrheit der Patienten auf den Intensivstationen an einer Lungenentzündung stirbt. Und in letzter Konsequenz weiß man nie, ob das Unfallopfer ohne die zusätzliche Schwächung durch das Virus nicht doch überlebt hätte. Eine Schlussfolgerung aus Einzelfällen zu ziehen, entspricht exakt dem Fehlschluss “Statistik der kleinen Zahlen”.

Gute oder schlechte Beweggründe?

Jedem (ehemaligen) Zeugen Jehovas dürfte die Aussage der Bibel bekannt sein, dass “die Neigung des Menschenherzens böse ist von seiner Jugend an” (1. Mose 8:21). Ein entsprechend negatives Menschenbild haben Jehovas Zeugen. Auf diese Vorstellung stützt sich ihr gesamtes Glaubenssystem. Ist der Mensch nämlich in Wirklichkeit gar nicht so böse wie angenommen, wankt die Notwendigkeit des Loskaufsopfers, erscheint die Vernichtung fast aller Menschen in Harmagedon ungerecht und ist das Anziehen der “neuen Persönlichkeit” (Epheser 4:24) größtenteils unnütz. Tatsächlich lässt insbesondere die Beschäftigung mit destruktiven Kulten immer wieder erkennen, dass Menschen grundsätzlich gute Beweggründe haben und auf den ersten Blick negative Handlungen aus Sicht des jeweiligen Weltbildes einer Gruppierung plötzlich positiv erscheinen. Auch Jehovas Zeugen und Verschwörungstheoretiker haben in der Regel gute Beweggründe. Sie sind der Meinung, über eine Wahrheit zu verfügen, die andere Menschen hören müssen, um ihre Situation zu verbessern. Diese Einstellung ist grundsätzlich lobenswert. Entspricht das Weltbild jedoch nicht der Realität, kann das – objektiv betrachtet – negative Auswirkungen haben.

Es gibt vermutlich keine einzige Verschwörungstheorie, die den Verschwörern positive Beweggründe unterstellt. Schlechte Beweggründe sind jedoch eher selten (erst recht, wenn man – wie bei Verschwörungstheorien üblich – von sehr vielen Mitwissern ausgehen muss, die angeblich alle am gleichen “bösen” Strang ziehen). Die Wahrscheinlichkeit, dass die Regierung eines Landes wirklich nur das Beste für ihre Bürger möchte, ist viel höher als von einer fortwährenden breit angelegten Täuschung wegen selbstsüchtiger Ziele auszugehen. Eine Ausnahme bilden lediglich Regierungen mit Kult-Charakter, die ihrerseits irrationale Vorstellungen haben/hatten und größtenteils glauben/glaubten, sie würden etwas Gutes für die Menschen tun, jedoch in Wirklichkeit Schaden anrichten/anrichteten und bei der Verfolgung eigener Ziele buchstäblich und wissentlich über Leichen gehen/gingen. Hier ist eine handvoll Länder –  wie z.B. Nordkorea oder das nationalsozialistische Deutschland – zu nennen.

Perspektivwechsel

Die meisten Verschwörungstheorien lösen sich in Wohlgefallen auf, wenn man versucht, sich in “die da oben” hineinzuversetzen. Als Führungskraft habe ich bereits einige Jahre Einblick in die Denkweise der Führungsebene. Aus dieser Perspektive kann ich sagen, dass jegliche bisher von der Regierung getroffenen Maßnahmen absolut nachvollziehbar und vernünftig waren. Die Führungsebene unterscheidet sich vor allem in zwei Dingen von den Geführten: sie hat die Verantwortung und verfügt über einen besseren Überblick durch mehr Informationen.

Wer die Verantwortung hat, hat am Ende das Problem, dass ihm vorgeworfen werden könnte, dass er für den Tod von Millionen verantwortlich sei. Als Führungskraft muss man also in Übereinstimmung mit der Realität handeln und dabei den größten Nutzen für die Geführten herausholen. Ersteres ist deswegen so wichtig, weil wir am Beispiel eines Ältesten bei den Zeugen Jehovas sehen, dass dieser zwar auch grundsätzlich versucht, den größten Nutzen für seine “Schafe” herbeizuführen, aber leider nicht in Übereinstimmung mit der Realität. Seine Bemühungen sind daher zwangsläufig zum Scheitern verurteilt.

Ähnlich geht es auch der Führungsriege in einem Staat. Würde diese sich auf irrationale Vorstellungen stützen, hätte das mit Sicherheit keine guten Auswirkungen. Schon aufgrund des besseren Überblicks und der vollständigeren Informationen ist sie jedoch noch am besten in der Lage, rational zu handeln (Ausnahme: die USA – das hat aber wieder andere Gründe). Im Prinzip geht es nur um die Abwägung zwischen der Rettung von Leben und daraus erwachsenden wirtschaftlichen Nachteilen. Einzelschicksale müssen zurückstehen. Und es ist klar, dass Leib und Leben als das höhere “Gut” betrachtet werden, wenn man seiner Verantwortung für das Volk nachkommen will.

Aber auch die öffentlich-rechtlichen Medien haben eine Verantwortung.

Ich möchte im Folgenden einen typischen Ablauf schildern, der vermutlich immer wieder vorkommt und durch Verschwörungstheoretiker als Beweis für eine Verschwörung herangezogen wird:

Ein irrationalen Vorstellungen verfallener Journalist X möchte einen Artikel mit verschwörungstheoretischen Inhalten schreiben. Die Redaktion lehnt den Artikel ab, weil sie erkennt, dass darin irreführende Informationen verbreitet werden, die Schaden verursachen könnten. Journalist X wendet sich wütend an die sozialen Medien und bemängelt, dass Zensur stattfinde und er nicht über die Realität aufklären dürfe (seine geglaubte Pseudo-Realität). Ein Verschwörungstheoretiker greift die Meldung des Journalisten X in seinem YouTube-Video auf und argumentiert, dass “die da oben” Meinungen unterdrückten und nur das erlauben, was mit der “offiziellen” Agenda übereinstimme. Als Beweis wird die Aussage des Journalisten X eingespielt. Die Zuschauer sehen sich das Video des Verschwörungstheoretikers an und glauben, dass “die da oben” ein falsches Spiel treiben.

Nein, das tun sie nicht. Sie kommen nur ihrer Verantwortung gegenüber dem Volk nach.

So haben insbesondere die öffentlich-rechtlichen Medien die Verantwortung, immer wieder die Realität zu betonen, um falschen Vorstellungen entgegenzutreten, weil das Volk sonst Schaden erleidet. In ähnlicher Weise müssen sie darauf achten, dass – soweit das in ihrem Machtbereich liegt – keine Falschmeldungen herausgegeben werden. Die Wiederholungen der korrekten Aussagen werden vom Verschwörungstheoretiker allerdings als Manipulationstechnik (argumentum ad nauseam) gewertet.

Und damit sind wir auch schon beim wichtigsten Punkt, den uns die Krise lehrt.

Was wir aus der Corona-Krise über destruktive Kulte lernen können

Steven Hassan fasst in seinem B.I.T.E.-Modell diverse Methoden destruktiver Kulte zusammen und vertritt die Ansicht, dass man daran unethische Beeinflussung erkenne. Das ist unter “normalen” Umständen auch korrekt. Der Staat verwendet derzeit jedoch ebenfalls Methoden aus dem B.I.T.E.-Modell: Kontaktverbot, Anweisungen, wer sich mit wem wo aufhalten darf, Verhaltenskontrolle (z.B. Maskenpflicht, Abstandsgebot), Überwachung der Einhaltung von Maßnahmen usw. Es kommt dadurch vermehrt zu Denunziationen in der Bevölkerung – wie bei Jehovas Zeugen – Dinge, die Verschwörungstheoretiker an das nationalsozialistische Deutschland, also einen Kult, erinnern. Nur übersehen sie leider den entscheidenden Faktor bei allem: die Realität. Tatsächlich sind es nicht die Methoden, die unethisch sind, sondern die Anwendung der Methoden in Verbindung mit irrationalen Vorstellungen. Denn wie man an der Corona-Krise sieht, können diese Methoden manchmal im Dienste der Realität ethisch gerechtfertigt sein: zum Schutz vor einer real existierenden Gefahr. Jehovas Zeugen rechtfertigen ihre Methoden u.a. dadurch, dass sie sie als Schutz vor den “bösen Geistermächten in den himmlischen Örtern” (Epheser 6:12) bezeichnen, also als Schutz vor einer in der Realität nicht existierenden Gefahr.

Aber auch unter “Weltmenschen” zeigt sich in der jetzigen Situation, dass die Handlungsweise eines jeden davon abhängt, was er als Realität ansieht. Wer das Virus für harmlos hält, fordert die Abschaffung der Maßnahmen, wer es für gefährlich hält, begrüßt die Maßnahmen.

Es ist daher wichtiger denn je, die eigene Überzeugung zu hinterfragen und zu prüfen, ob man wirklich in Übereinstimmung mit der Realität handelt.


Wer das Thema Verschwörungstheorien vertiefen möchte, dem sei dieses ausgezeichnete Video ans Herz gelegt:

Reaktionen zu diesem Beitrag

  1. Regina Jung sagt:

    Sehr gut und verständlich geschrieben. Vielen Dank dafür.
    Liebe Grüße
    Regina Jung

    Antworten
  2. Dietmar Brem sagt:

    Sehr guter Artikel. Manchmal ist man geneigt Verschwörungstheorien zu glauben, wie zum Beispiel das C. T. Russel Freimaurer war, auch weil sein Grabstein entsprechende Symbole aufweist. Aber entscheidend sind nicht nur Dinge die nach seinen Tod aufgestellt wurden sondern Fakten und Beweise auch während seines Leben und die sind entscheidend

    Antworten
  3. Para sagt:

    Lieber Micha,

    um es hier auch mal in aller Öffentlichkeit zu sagen: Mal wieder ein super Artikel! Ich wünschte mir, dass viele Menschen sich mal die Mühe machten, so was zu „studieren“ 🙂 Ja, da muss man sein Gehirn auch mal ein bisschen anstrengen!
    Aber dann hätten wir echt weniger Probleme auf der Welt.
    DANKE!

    Para;)

    Antworten
    1. Micha sagt:

      Danke, Para! Sehe ich auch so.

      Antworten
  4. Thomas Dombai sagt:

    Beschreiben Sie mir bitte Deutschland, wenn medizinische Fachleute wie

    Dr. Hockertz, Dr. Claus Köhnlein, Prof. Karin Mölling, Dr. Joel Kettner, Dr. Wolfgang Wodarg, Dr. Sucharit Bhakdi, Dr. John Ionannidis, Dr. Joram Lass, Dr. Pietro Vernazza, Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery, Prof. Hendrik Streek, Dr. Yanis Rousell, Dr. David Katz, Dr. Michael T. Osterholz und Dr. Peter Goetzsche

    ein Fachwissen aberkannt wird das sie sich in Jahrzehnten explizierter Forschung und Praxis erworben haben,

    die Bevölkerung aber Journalisten und Politiker glauben schenkt,
    unverhältnismäßigen Maßnahmen Folge leistet,
    sich kritiklos ihre Grundrechte nehmen lässt,
    die WHO und die RKI als glaubwürdigere Autorität verteidigt,

    mit „Aber Harald Lesch hat gesagt“ argumentieren, jeder Andersdenkende diffamiert und aus der öffentlichen Debatte ausschließt.

    Das ist leider die gleiche Diffamierung und Propaganda welche unsere Regierung und Medienwelt jeder zweiten Meinung entgegen bringt. Es ist das gleiche wie bei der WTG, jeder der eine andere Meinung vertritt ist ein Abtrünniger. Ich kann das Verhalten ehemaliger ZJ nicht nachvollziehen, nach dem WT, die gleichen Methoden weiterhin verwenden.

    Warum?

    Antworten
  5. Thomas Dombai sagt:

    Warum wurde mein Kommentar gelöscht?
    Ich bitte um Rückantwort.

    Antworten
    1. Moses sagt:

      Falls der Kommentar wirklich gelöscht wurde, dann bestimmt nur, weil er mehrfach gepostet wurde. Was erhoffen Sie sich durch Ihre (nahezu identischen) Mehrfachposts kurz hintereinander eigentlich? Oder steckt dahinter gar der gleiche Irrationale Gedanke, wie die Vorstellung „Wenn man öfter drückt kommt der Aufzug schneller“?
      Zudem sehe ich in dem Artikel das komplette Gegenteil eines möglichen Schubladendenkens. Es geht doch hierbei nicht um die Einschränkung oder gar Diffamierung anderslauternder bzw. abweichender Meinungen / Wertungen. Aber der „Spaß“ hört dann auf, wenn man eine Meinung vertritt und diese als Fakt / Wahrheit / Realität bezeichnet, aber mit keinen stichhaltigen Beweisen oder Fakten aufwarten kann, sondern statt dessen sogar eindeutige und nachvollziebare (wissenschaftliche begründete) Widerlegungen seiner „Wahrheit“ ablehnt und als Lüge oder „Mainstreammeinung“ abtut und ablehnt. Dann könnte ja jeder ALLES behaupten OHNE haltbare Beweise für seine Behauptung erbringen zu müssen. Das kann doch keiner ernsthaft wollen, oder?

      Antworten
  6. Thomas Dombai sagt:

    Beschreiben Sie mir bitte Deutschland, wenn medizinische Fachleute wie

    Dr. Hockertz, Dr. Claus Köhnlein, Prof. Karin Mölling, Dr. Joel Kettner, Dr. Wolfgang Wodarg, Dr. Sucharit Bhakdi, Dr. John Ionannidis, Dr. Joram Lass, Dr. Pietro Vernazza, Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery, Prof. Hendrik Streek, Dr. Yanis Rousell, Dr. David Katz, Dr. Michael T. Osterholz und Dr. Peter Goetzsche

    ein Fachwissen aberkannt wird das sie sich in Jahrzehnten explizierter Forschung und Praxis erworben haben,

    die Bevölkerung aber Journalisten und Politiker glauben schenkt,
    unverhältnismäßigen Maßnahmen Folge leistet,
    sich kritiklos ihre Grundrechte nehmen lässt,
    die WHO und die RKI als glaubwürdigere Autorität verteidigt,

    mit „Aber Harald Lesch hat gesagt“ argumentieren, jeder Andersdenkende diffamiert und aus der öffentlichen Debatte ausschließt.

    Zum Bedauern geht dieser Artikel in die gleiche Richtung.
    Es gibt immer mehrere Meinungen.
    Wenn es nur eine Meinung geben darf sollte es uns mißtrauisch machen.
    Wenn jede andere Meinung diffamiert wird ohne auf Sachargumente einzugehen ist das nicht gut.

    Jeder Abtrünniger der WTG sollte das kennen und nicht in die gleiche Fallen treten.

    Antworten
  7. Thomas Dombai sagt:

    Beschreiben Sie mir bitte Deutschland, wenn medizinische Fachleute wie

    Dr. Hockertz, Dr. Claus Köhnlein, Prof. Karin Mölling, Dr. Joel Kettner, Dr. Wolfgang Wodarg, Dr. Sucharit Bhakdi, Dr. John Ionannidis, Dr. Joram Lass, Dr. Pietro Vernazza, Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery, Prof. Hendrik Streek, Dr. Yanis Rousell, Dr. David Katz, Dr. Michael T. Osterholz und Dr. Peter Goetzsche

    ein Fachwissen aberkannt wird das sie sich in Jahrzehnten explizierter Forschung und Praxis erworben haben,

    die Bevölkerung aber Journalisten und Politiker glauben schenkt,
    unverhältnismäßigen Maßnahmen Folge leistet,
    sich kritiklos ihre Grundrechte nehmen lässt,
    die WHO und die RKI als glaubwürdigere Autorität verteidigt,

    mit „Aber Harald Lesch hat gesagt“ argumentieren, jeder Andersdenkende diffamiert und aus der öffentlichen Debatte ausschließt.

    Es gibt immer mehrere Meinungen.
    Wenn es das nicht gibt muss man mißtrauisch sein.
    Nicht jeder der eine andere Meinung vertritt verdient in solche Schubladen gesteckt zu werden.

    Bitte prüfen sie ihren Artikel auf Wahrheitsgehalt.
    Er ist freundlich gesagt äußerst einseitig geschrieben.

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  8. Nikola sagt:

    Auch wenn sie den Artikel gelesen haben, dann haben sie ihn leider nicht verstanden. Sagen sie mir wo Herr Herrn Streek Fachwissen aberkannt wird ? Warum gibt es keine Liste der medizinischen Fachleute, denen ihrer Meinung nach keine Fachwissen aberkannt wird ? Meinungsvielfalt ist immer gut, muss aber auch kritisch analysiert und bewertet werden.

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